Ausgehen

Die Nächte im Bairro Alto

Das traditionelle Vergnügungsviertel ist und bleibt das Bairro Alto. In den engen Gassen der Oberstadt beginnt das Nachtleben gegen 21 Uhr (in den anderen Vierteln geht es dagegen meist später los), gegen 4 Uhr früh ist es größtenteils zu Ende. An jeder Ecke locken kleine Bars und Studentenkneipen mit Billigstpreisen, die sog. tascas, und überall draußen bilden sich Menschentrauben, denn viele trinken ihr Bier im Freien. Schade finde ich, dass zunehmend britische Touristen per Billigflieger einfallen, um hier laute und wilde Junggesellenabschiede zu feiern. Auch mit aufdringlichen Drogenhändlern muss man rechnen. Viele Lissabonner sind daher in den direkt weiter südlich anschließenden Stadtteil Bica um die gleichnamige Standseilbahn ausgewichen. Dort finden sich ebenfalls zahlreiche Bars, die nicht ganz so extrem überlaufen sind.

Vom Rotlicht- zum Hip-Viertel

Als weiterer unverzichtbarer Pol der Lissabonner Nächte gilt das Umfeld des Bahnhofs Cais do Sodré am Fuß des Bairro Alto. Das einstige von Rotlicht-Etablissements geprägte Seemannsviertel zieht spätestens seit der Eröffnung der in einem ehemaligen Stundenhotel untergekommenen Bar Pensão Amor auch ein normales Publikum an. Da die Stadt einen Teil der Straßen in Fußgängerzonen umgewandelt hat, streifen vor allem in lauen Sommernächten Menschenmassen durch das Viertel.

Anfang der 90er hatte sich in der Umgebung der Avenida 24 de Julho im Stadtteil Madragoa um den Bahnhof Santos ein weiteres, anfangs extrem pulsierendes Zentrum des Nachtlebens herausgebildet. Nach vielen Jahren des Niedergangs haben die Lissabonner Teenager das Viertel inzwischen zu ihrer bevorzugten Ausgehmeile gemacht.

Die Docks am Tejo

Seit Mitte der 90er zählen auch die ehemaligen Lagerhäuser der Hafendocks in Alcântara zu den Lissabonner Nightlife-Spots. Die Bars an den Docas bieten einen schönen Blick auf Brücke des 25. April, deren Lichter sich nachts im Tejo spiegeln. Trotzdem können sie mich nicht mehr so richtig begeistern, denn sie ähneln einander sehr, und inmitten des Massenpublikums kommt gerade am Wochenende keine richtige Stimmung auf. Ich gehe lieber ins alternative Kulturzentrum LX Factory um die Ecke, das in einer ehemaligen Fabrik untergekommen ist.

Auch Lissabons bekanntester Club, das Lux Frágil, liegt übrigens am Tejo. Allerdings nicht an den Docas, sondern nahe dem Bahnhof Santa Apolónia im Stadtteil Alfama.

Fado: kitschige Touristenfalle oder echtes Erlebnis

Ansonsten bieten die Bars in der Alfama vor allem Fado-Konzerte. Der Fado, eine Art Weltschmerzgesang und ganz typisch für Lissabon, wird oft als sentimentaler Kitsch abgetan und ist es in seiner touristischen Form teilweise auch. Auch ich war lange Zeit skeptisch, doch dann habe ich erlebt, wie der Fado insbesondere von jungen Nachwuchskünstlern leidenschaftlich neu interpretiert wird. Seitdem habe ich einige meiner stimmungsvollsten Abende in der Stadt beim Fado verbracht. Einen Versuch ist er jedenfalls wert.

5 Tipps für 5 Abende

Mesa de Frades: Für mich das stimmigste Fado-Restaurant der Stadt, untergebracht in einer sehenswerten ehemaligen Kapelle. Der Wirt hat zudem ein gutes Händchen bei der Auswahl talen​tierter Nachwuchsmusiker.

O Bom O Mau e O Vilão: Schon den Namen der Bar („Der Gute, der Schlechte und der Bösewicht“) finde ich ziemlich genial. Die Mischung aus Livemusik, DJs und cooler Einrichtung kann mich immer wieder begeistern.

Park: Einigermaßen gutes Wetter sollte es schon haben, aber dann ist diese Bar auf dem begrünten Obergeschoss eines Parkhauses unschlagbar: sehr entspanntes Ambiente und eine schöne Aussicht.

Le Chat: Es gibt für mich keinen besseren Ort, Sonnenuntergänge in Lissabon bei einem kühlen Getränk zu genießen, als diese voll verglaste Aussichtsbar oberhalb des Hafens.

By the Wine: Allein zum Kosten des fruchtigen Verdelho-Weißweins lohnt sich der Besuch dieser Weinbar. Die Kelterei José Maria da Fonseca aus Azeitão südlich von Lissabon hat die von ihr betriebene Bar großartig dekoriert.

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