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Hamburg

Essen gehen

Hamburger Küche

Aalsuppe mit Backobst, die viel zitierten Birnen, Bohnen und Speck (Grööner Hein) oder die vom Namen her Angst machende Erbsensuppe mit Snuten un Poten (= Schnauzen und Pfoten), hinterher dann einen Köm, einen Klaren mit Kümmelgeschmack. Alles schön und gut, alles Hamburger (oder zumindest norddeutsche) Spezialitäten. Doch ganz ehrlich: Ein Lokal, in dem diese drei traditionellen Speisen (plus der spezielle Schnaps) angeboten werden, ist mir während meiner Recherchen nicht untergekommen. Dafür gibt es Lokale, auf deren Karte einzelne dieser Speisen stehen, so z. B. die schräge Oberhafen-Kantine, wo man sogar ein Hamburger Rundstück bekommt, eine Urform des inzwischen in der Stadt so beliebten Burgers, oder der Old Commercial Room, wo es m. E. das beste Labskaus gibt.

Apropos Labskaus: Dieses Fleischgericht erlebt ebenfalls eine Renaissance und wird wieder in vielen Lokalen angeboten, bisweilen lediglich als Probierportion. Warum das so ist? Hier die Zutaten: gestampfte Kartoffeln und Pökelfleisch mit Spiegelei, Rollmops, Gewürzgurke und Rote Bete. Das kann schon schmecken, doch bisweilen brauchen Ungeübte einen stabilen Magen ...

Einfacher hat man es da mit zwei anderen Klassikern: dem Pannfisch und der Scholle Finkenwerder Art, die z. B. in der Dübelsbrücker Kajüt am Fähranleger Teufelsbrück sehr gut sind, den man per Schiff oder auf dem Weg an der Elbe entlang nach Blankenese erreicht.

Ist man an Gourmetküche interessiert, kommt man in Hamburg ebenfalls ziemlich weit. Derzeit verdingen sich sechzehn Sterneköche im Stadtstaat, seit 2025 gibt es sogar zwei Meister mit drei Sternen: Nach Kevin Fehling mit seinem Table in der HafenCity, zehn Jahre lang einziger 3-Sternekoch der Stadt, stieg nun auch Christoph Rüffer vom Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten in den Olymp der Spitzenköche auf. Die so überaus bekannten Fernsehköche (z. B. Henssler & Henssler) schneiden dagegen nie so gut ab.

Hamburger Fast Food

Wer es bescheidener mag, findet seit eh und je in der Hansestadt ein exquisites Fischbrötchen. Dabei sollte man sich von den handelsüblichen Angeboten rund um die Landungsbrücken eher fernhalten und lieber gleich zum Fischereihafen an der Großen Elbstraße ziehen. Doch halt, an der Brücke 10 gibt es sie doch: eine ebenfalls sehr gute Fischbude, wo die Brötchen knusprig sind und das Grünzeug frisch.

Von der Wiederentdeckung des Hamburgers war schon die Rede, deshalb nur kurz: Einen der besten aß ich im Brooklyn Burger schräg gegenüber dem Pressehaus in der Altstadt. Doch auch das Grilly Idol auf St. Pauli kann diese Fleischbrötchen – hier landet zudem ausschließlich regionales Rindfleisch zwischen den Burgerhälften, alternativ auch Patties aus Soja oder schwarzen Bohnen.

5 Tipps für 5 Abende

 Nil – Slow Food: Nein, keine Sterneküche ist hier angesagt, doch eine exquisite, bezahlbare nach Slow-Food-Kriterien. Man speist auf einer Galerie, im Souterrain oder in einem Sommergarten. → Tour 8

 Petit Bonheur – französische Küche: Wenn eine ordinäre Blutwurst Boudin noir genannt wird, sollte man eigentlich auf der Hut sein. Muss man hier aber nicht. Denn ordinär ist im Kleinen Glück überhaupt nichts. Das Ambiente macht glücklich, die Speisen sowieso. → Tour 3

 Cuneo – das Kultlokal auf St. Pauli: Schon mehrfach hat es Lesern dieses Reiseführers in dem Familienbetrieb gefallen. Man isst italienisch, sieht manchmal Promis und geht hinterher auf die Reeperbahn. Dabei bleibt alles bezahlbar. → Tour 2

 Hobenköök – Heimatküche: Wer kreative und trotzdem ursprüngliche Hamburger Küche probieren möchte, noch dazu im bunten Ambiente einer Markthalle, kommt in diesem Restaurant östlich der HafenCity voll und ganz auf seine Kosten. → Tour 1

 Neni – sympathisches Chaos: Die eklektische Küche im Alten Hafenamt in der HafenCity erinnert an die Tapas-Kultur des Mittelmeerraums, vereint arabische und afrikanische Einflüsse – und schmeckt richtig, richtig gut. Sofern man orientalische Küche mag! → Tour 1

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