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Kalabrien und Basilika
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Kalabrien und Basilika

Kalabrien im Profil

… die südlichste Festlandsregion Italiens

Kalabrien bildet die Spitze des italienischen Stiefels und ist nur durch die schmale Straße von Messina von Italiens größter Insel getrennt. Obwohl der Stretto di Messina nur zwischen 3 und 8 km breit ist, gibt es bis heute keine Brücke, die Kalabrien mit Sizilien verbindet. Wenn es nach der derzeitigen italienischen Regierung ginge, wäre eine solche seit August 2025 in Bau, doch legte die No Ponte-Bewegung ein Veto mit aufschiebender Wirkung ein. Ein Bau der Brücke sei ökonomisch nicht sinnvoll, ökologisch schädlich und technisch wegen der großen seismischen Aktivität in der Meerenge kaum realisierbar.

Die Grenze zur nördlichen Nachbarregion Basilikata verläuft genau über dem Pollino-Gebirgszug, dessen höchster Gipfel Serra Dolcedorme, schon auf kalabrischem Boden, 2267 m in die Höhe ragt.

… zu gut 90 Prozent hügelig bis gebirgig

Der Pollino, den sich Kalabrien und die Basilikata schwesterlich teilen, ist der mächtigste von mehreren Gebirgszügen, die sich durch die Region ziehen. Nach Süden hin schließt sich die Sila an, ein von üppigen Wäldern und Seen bedecktes Hochplateau, auf dem man sich eher in der Schweiz oder im Schwarzwald als in Süditalien wähnt. Es folgt das üppig grüne Bergland der Serre, das mit Buchen-, Kastanien- und Tannenwäldern bewachsen ist. Den Schlussakkord setzt der wildromantische Aspromonte, der entgegen seinem Namen (rauer Berg) nicht nur aus kargen Felsformationen besteht, sondern mancherorts mit dichten Wäldern überrascht und obendrein fantastische Ausblicke aufs Meer zu bieten hat. Kurzum: Die Seele Kalabriens liegt oben, wie es der kalabrische Verleger und Reisebuchautor Domenico Laruffa einmal so schön ausgedrückt hat. Dennoch ist auf der schmalen Halbinsel kein Ort mehr als 50 km vom nächsten Strand entfernt.

… auf drei Seiten vom Meer umspült

Im Westen grenzt Kalabrien ans Tyrrhenische, im Osten ans Ionische Meer. Letzteres zieht sich weiter bis fast rund um die Südspitze Kalabriens, um sich auf den letzten Metern zur Meerenge von Messina zu verjüngen, die die Verbindung zum Tyrrhenischen Meer herstellt. Zusammengenommen kommt die dreiseits meerumspülte Region auf knapp 800 km Küstenlinie mit Stränden, die mindestens passabel und teilweise paradiesisch sind.

… vom Massentourismus bislang verschont

Schon die Bildungsreisenden des 18. und 19. Jh., die sich zu den Wiegen der Antike aufmachten, mieden die Gegend, weil sie als bitterarm und gefährlich verrufen war. Dieses Negativimage schreckte auch die wirtschaftswunderbare Urlauberkarawane, die sich ab den 1950er-/1960er-Jahren in Richtung Italien aufmachte, wurde von der regionalen Mafia-Variante Ndrangheta genährt und erst in den 2000er-Jahren korrigiert, sodass die internationale Tourismusentwicklung erst spät und eigentlich nur rund um Tropea so richtig in Gang kam. Dort ist die ansonsten nicht gerade überlaufene Region allerdings inzwischen vom Overtourism bedroht.

… arm, aber gastfreundlich

Das Bruttosozialprodukt rangiert ganz unten, die Arbeitslosen- und Auswanderungs​rate ganz oben auf der nationalen Skala. Es gibt kaum Industrie, und öffentliche Gelder lande(te)n oft bei der Ndrangheta. Die meisten Kalabresen leben wie eh und je vom Oliven-, Zitrusfrucht- und Weinanbau. Viele machen mittlerweile auch in Tourismus, wobei es ihnen bisweilen an Erfahrung und Finanzen bei der Vermarktung ihrer Natur- und Kulturschätze fehlt. Mit ihrer Gastfreundschaft machen sie so manchen infrastrukturellen Mangel mehr als nur wett.

… kulinarisch konkurrenzfähig

Die Region kann es allemal mit dem Rest des Belpaese aufnehmen, da hier Oliven, Wein und Zitrusfrüchte sowie viele andere Obst- und Gemüsesorten gedeihen. Dass Schafe, Schweine und Kühe noch in gesunder Bergluft weiden, merkt man Fleisch, Wurst und Käse an. Die beiden Meere liefern Fische, Schalen- und Krustentiere, die Wälder und Wiesen Pilze und Kräuter für die einfache, aber gute cucina povera. Vielerorts werden überzeugende Neuinterpretationen der Armeleuteküche serviert und inzwischen strahlen sogar fünf (Michelin-)Sterne über Kalabrien.

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