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Berlin

Essen gehen

Multikulti auf dem Teller

In Berlin kann man sich rund um den Globus futtern, vom georgischen Störschaschlik über chinesische Seegurken bis hin zum afrikanischen Springbocksteak ist alles drin. Berlins Beiträge zur Weltcuisine sind hingegen der Döner und die Currywurst – beide wurden (angeblich) in der Stadt erfunden. Unseren Lieblingsdöner gibt’s im Doyum Grillhaus, unser Currywurst-Tipp ist Curry 36. Übrigens: Die Berliner Kultwurst bestellt man entweder „mit“ (d. h. mit Darm) oder „ohne“ – Letztere ist das Original.

Die Zeiten, da Berlin noch als kulinarische Wüste verspottet wurde, sind längstens vorbei. 27 Michelin-Sterne leuchten über der Metropole, verteilt auf 25 Lokale. Junge Wilde aus aller Welt sorgen für kulinarische Verrücktheiten, zudem zelebrieren immer mehr Spitzenköche die neudeutsche Küche, die Wert auf regionale und saisonale Produkte legt. Mit seiner „Brutal-regional-Küche“ hat sich z. B. Nobelhart & Schmutzig internationale Aufmerksamkeit erköchelt. Täglich öffnen neue Lokale. Nur die dunkel getäfelten Altberliner Gaststätten werden immer weniger – v. a. in den Szenekiezen, wo das Essen so leicht sein muss wie das Leben.

Streetfood-Märkte

Kleine Köstlichkeiten aus aller Herren Länder an zig Ständen, nette Musik, entspannte Atmosphäre, drinnen oder draußen – Berlin gilt mittlerweile als europäische Königin in Sachen Streetfood-Märkte. Unser Favorit ist der Streetfood Thursday, ein Event, das jeden Donnerstag in der Kreuzberger Markthalle Neun (www.markthalleneun.de) stattfindet. Streetfood zum Fingerablecken gibt’s zudem an manchen Sommerabenden beim sog. Bite Club (Luckenwalder Str. 6b, U-Bahn Gleisdreieck, Termine auf www.biteclub.de).

Supper Clubs und Pop-up-Dinner

Hier wird in privaten Wohnungen oder an witzigen angemieteten Orten für Sie gekocht – und zwar in jeder Genuss- und Preisliga. Leider hat Corona allen von uns bis dato empfohlenen Supper Clubs den Garaus gemacht. Eine neue Szene aber wird sich entwickeln. Wir halten Sie online auf dem Laufenden.

Altberliner Klassiker

Zu den Klassikern der fleischlastigen Altberliner Küche gehört Eisbein, eine rosafarbene, gesottene Haxe – Schnaps hinterher vonnöten! Aus deren Knochen wurden früher Kufen für Schlittschuhe gefertigt, daher der Name. Nicht weniger deftig sind Bollenfleisch (gekochte Lammkeule mit Zwiebel-Kümmel-Soße), Königsberger Klopse (gekochte Hackfleischbällchen mit Kapernsoße), Bulette (Frikadelle), gebratene Leber mit Apfelringen oder Wildschweinbraten (geschossen in den Berliner Wäldern). In Kneipen gibt es zuweilen Soleier (in Sole marinierte Eier, die mit Senf und einem Spritzer Essig gegessen werden). An Fisch kennt die Altberliner Küche v. a. den Havelzander, die Schleie und den Aal (am besten „grün“, also gekocht).

Molle & Co

1905 soll es noch rund 13.000 Eckkneipen gegeben haben, „an jeder Straßenkreuzung fünf“. Wie die Altberliner Gaststätten werden aber auch die noch verbliebenen rustikalen Pinten nach und nach verdrängt. Ein Traum von einer Kneipe ist z. B. Wilhelm Hoeck.

Über die Qualität der Berliner Biere –egal ob Schultheiss, Berliner Pilsner, Berliner Kindl oder Berliner Bürgerbräu, die allesamt zur Radeberger Gruppe gehören – kann man sich streiten. Zum Glück aber gibt es ja auch alle anderen gängigen Marken und außerdem immer mehr kleine Hausbrauereien, die süffige Molle (berlinerisch für „Bier“, Molle mit Strippe = Bier mit Korn) produzieren. Schwer angesagt sind sog. Craft-​Beer-Kneipen, die handgemachten Gerstensaft von kleinen Biermanufakturen zu meist gesalzenen Preisen ausschenken.

Unter Touristen recht beliebt ist die in breiten Kelchen servierte Berliner Weiße. In seiner Urform wird das obergärige, leichte, säuerliche Bier je nach Wahl mit einem Schuss Waldmeister-, Himbeer- oder Johannisbeersirup serviert. In den meisten Lokalen wird jedoch eine Fertigmischung ausgeschenkt – und die schmeckt, so der Bierhändler unseres Vertrauens, nach „Scheiße hoch sieben“.

Ein Tipp für Anti-Alkoholiker ist die Fassbrause, eine Berliner Erfindung. Die mit Süßholzwurzel versetzte Kräuterlimonade ähnelt geschmacklich leicht dem Almdudler. Leider kommt sie nur noch in wenigen Lokalen direkt vom Fass.

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