Orientiert in Brüssel

Zwei Mauerringe

Das mittelalterliche Brüssel umfasste die Place St-Géry, den ersten Sied­lungs­kern, der schnell durch die Gas­sen rund um die Grand Place erweitert wur­de, die Kirche Sts-Michel-et-Gu­dule (heute die Kathedrale) und die Burg am Cou­den­berg. Von der ersten Stadtmauer (um 1100) ist nichts mehr er­halten. Von der zwei­ten Stadt­mauer aus dem 14. Jh. sind noch Türme übrig, so die Tour Noire an der Kirche Ste-Ca­the­rine, die Tour de Villers in der Rue des Ale­xiens, die Tour d’Angle (An­nees­sens) und die Por­te de Hal. Im 19. Jh. ersetzen mehrspurige Bou­le­vards den zweiten Mauer­ring. Sie bil­den ein Fünf­eck, wes­wegen die In­nen­stadt als Pentagon be­zeichnet wird.

Der unsichtbare Fluss

Ursprünglich floss die Senne quer durch die Stadt und am alten Hafen am Fisch­markt im heutigen Viertel Ste-Ca­thérine wurden Sand, Kohle und an­dere Wa­ren abgeladen. Ab dem 19. Jh. über­de­ckelte man den Fluss: Dabei ent­standen die Achsen der Bou­le­vards du Midi und Anspach. Aber Brüssel blieb Binnenhafen und hat bis heute eine schiffbare Was­ser­stra­ße, den Kanal nach Charleroi und Willebroek, auf dem auch Bootstouren möglich sind.

Ober- und Unterstadt

Am Mont des Arts, dem Kunst­berg mit einem Gar­ten im Stil einer französi­schen Espla­na­de, überbrücken viele Trep­penstufen die 80 Meter zwischen der Unterstadt um die Grand Place und der Ober­stadt mit dem Königspalast und der Place Royale. Das repräsenta­tive architektonische Ensemble des kö­niglichen Platzes, die Visitenkarte der Oberstadt mit der größten Dichte an Kunstmuseen in der Stadt, legten die Habs­bur­ger nach klassi­zisti­schen Vor­bil­dern aus Wien und Paris an.

Hang zum Mo­nu­men­ta­len

Aus der Regierungszeit von Kö­nig Leo­pold II. (1835–1909) stam­men Brüs­sels über­di­men­si­o­nier­te Prunk­bau­ten – die Ar­ka­den im Parc du Cin­quan­te­naire, der Justiz­palast und die Ba­si­lika am Koe­kel­berg. Geklotzt wurde in den 1960er- und 1970er-Jah­ren auch im EU-Viertel, allerdings aus anderen Grün­den. Hier im alten Leo­pold­viertel ent­standen ad­mi­nis­trative Ge­bäude, um Platz für die EU-Institutionen zu schaf­fen. Der letzte spektakuläre Archi­tek­ten­streich ist der 2017 neu bezo­gene Euro­parat.

Die Stadtviertel im Überblick

Brüssel besteht aus 19 Ge­meinden. Ver­wirrend, denn jede hat ih­ren eige­nen Bür­ger­meister und neben dem Rathaus an der Grand Place gibt es noch 18 wei­tere. Sehenswert sind die von Schaer­beek und St-Gil­les, wo sich ein Streif­zug auch deshalb lohnt, weil hier sehr viele Ju­gendstilhäuser er­hal­ten sind.

Jedes Viertel hat sein eigenes Gesicht: Im noblen Sab­lon-Viertel, das nach dem sandigen Un­tergrund be­nannt ist, auf dem hier einst gebaut wur­de, residie­ren Galeris­ten und Anti­qui­täten­händler um die Pla­ce du Grand Sab­lon und in den Marollen. Anziehungspunkt des tra­ditionellen Ar­beiterviertels ist der tägli­che Trö­del­markt auf der Place du Jeu de Balle, direkt nebenan kann man sich ein Beispiel frühen sozialen Wohnungsbaus ansehen. An das EU-Viertel grenzt das bürgerliche Wohn­vier­tel Et­ter­beek mit der Place Jourdan. In Ixelles, dem Uni- und Afri­ka­ner­vier­tel, bilden af­ri­ka­nische Läden und Ju­gend­stilvillen eine sehenswerte Mi­schung.

Vielfalt auch am Stadtrand

Molenbeek-St-Jean, St-Josse-ten-Noo­de, Schaerbeek und Ander­lecht sind die Wohnviertel mit dem höchsten Anteil an Immig­ran­ten. Molenbeek, das gilt entlang des Kanals am Ende der Rue An­toine Dansaert inzwischen als hip. Die Halles de Schaerbeek sind ein kultu­reller Anziehungspunkt. In Uccle und Wo­luwe-St-Pierre weiter außer­halb lo­giert die Upperclass, es gibt viele Grün­flächen und nur ver­ein­zelt Ein­rich­tungen von touristi­schem In­te­resse. Auch Rand­ge­mein­den wie Wa­ter­mael-Boitsfort, Au­der­ghem, Evere, Gans­ho­ren, Berchem-Ste-Agathe und Forest sind in erster Linie Wohnviertel. In Jette zieht das Musée Re­né Magritte, einst Wohn­haus des Künst­lers, Touris­ten an. In Koe­kel­berg steht die gro­ße Sa­cré-Cœur-Ba­silika. In Laeken re­si­diert das bel­gische Kö­nigs­haus. Diese grüne Ge­mein­de ver­fügt mit den ein­mal jähr­lich ge­öff­ne­ten kö­nig­li­chen Ge­wächs­häu­sern und dem Ato­mium gleich über zwei in­ter­nationale Be­su­cher­mag­neten.

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