Sightseeing-Alternativen

Gott und die Welt

Chester Beatty Library: Mich als Autor und Sie als Leser, der Sie vielleicht im Moment auch noch ein gedrucktes Exemplar in der Hand halten, eint die Liebe zum Buch. Deshalb darf in dieser Hitliste die Sammlung des Bergbaumagnaten Chester Beatty nicht fehlen: einmalige Manuskripte und Werke der Buchkunst aus Europa und dem Orient, alte Bibelhandschriften auf Pergament, persisch-indische Miniaturmalereien und fernöstliches Kunsthandwerk. Auf dem Dach lädt ein Zen-Garten zum Meditieren ein.

Sweny’s Pharmacy: Hier kaufte Leopold Bloom seine Zitronenseife. Joycianer lassen die literarische Fiktion wirklich werden und machen die frühere Apotheke zum Literaturschauplatz mit täglichen Lesungen aus Ulysses, Finnegans Wake und Dubliners. Statt Pharmazeutika werden nun Bücher verkauft, doch die Zitronenseife gibt’s weiterhin.

Freemasons’ Hall: Eine Führung durchs Hauptquartier der irischen Freimaurer gibt interessante Einblicke in eine geheimnisvolle und fremde Gedankenwelt sowie in ein Kabinett dekorativer und architektonischer Kuriositäten aus viktorianischer Zeit. Muss man als Freimaurer an Gott glauben? Warum nehmen die Logen keine Frauen auf? Wozu brauchen die Herren vom Royal Arch eine Geheimtür à la Indiana Jones? Zu diesen und anderen Fragen steht ein versierter Logenbruder Rede und Antwort.

Chaos und Ordnung

Dublin City Gallery The Hugh Lane: Die städtische Kunstgalerie geht auf die großzügige Stiftung des Kunsthändlers Hugh Lane zurück. Highlights sind die französischen Impressionisten und zwei aus Irland stammende Künstler: Sean Scully füllt mit seinen großflächigen Variationen von Balken und Rechtecken einen eigenen Raum; das Londoner Atelier von Francis Bacon wurde gar in mehrjähriger Arbeit bis zum letzten Farbklecks nachgebaut. Per Datenbank kann man im kreativen Chaos der vielen Tausend im Atelier gefundenen Objekte wühlen.

Georgian Dublin: Im Bauboom des 18. Jh. entstanden am Rand der damaligen Dubliner Innenstadt neue Wohnviertel für das gehobene Bürgertum. Strenge Bauvorschriften und Kontrollen sorgten dafür, dass diese Reihenhäuser im puritanischen Geist schlichte und ebenmäßig proportionierte Einheitsfassaden bekamen. Nur bei den Haustüren hatten die Bauherren etwas Gestaltungsfreiheit, und so sind diese, ob rot, blau, gelb oder grün, die einzigen Farbtupfer an der Straßenfront. Das am besten erhaltene georgianische Ensemble (es wird auch gerne als Kulisse für Filmdrehs genutzt und bekommt demnächst ein eigenes Museum) findet man auf der Northside in der Henrietta Street.

Docklands: Vom Aschenputtel zur Prinzessin. Das vormals marode Hafen- und Industrieviertel auf dem Südufer der Liffey wurde seit der Jahrtausendwende mit viel Glas und Stahl zum schicken Wohn- und Büroquartier entwickelt. Mittelpunkt ist der von Martha Schwartz geplante Grand Canal Square zwischen einem Hafenbecken und einem Libeskind’schen Theaterbau. Dieser lebendige, farbenfrohe Platz mit klaren Strukturen symbolisiert das neue Dublin. Die Formensprache der schrägen Masten und der schiefen Geometrie muss ja nicht jeder verstehen.

Stadtfluchten

Glasnevin Cemetery: Über den Wald aus Kreuzen, Harfen, Kleeblättern und Marienstatuen auf Dublins größtem Friedhof wacht ein Rundturm, in dessen Krypta die Gebeine von Daniel O’Connell ruhen. Vergeblich versuchten ihn britische Loyalisten dereinst zu sprengen. Von der Aussichtsplattform streift der Blick von den mal schaurig-schönen, mal kitschig-missratenen Grabmälern unterhalb bis weit über die Stadt. Im Friedhofsmuseum werden am Touchscreen auch weniger prominente Tote kurzzeitig lebendig und erzählen ihre Lebensgeschichte.

Botanic Gardens: Gemessen an der Besucherzahl hätte es Dublins botanischer Garten auch unter die Sightseeing-Klassiker schaffen können –und wäre dort in der Rubrik Kathedralen gelandet. Einer filigranen Kathedrale gleicht nämlich Richard Turners Curvilinear House, das Palmen und andere Gewächse aus wärmeren Gegenden vor dem irischen Wetter schützt. Auf der Treppe saß gern der Philosoph Ludwig Wittgenstein – und dachte nach.

Howth Cliff Walk: Ein beliebtes Ausflugsziel der Dubliner ist der frühere Fischerort Howth. Stärken Sie sich am Hafen mit einem Fischimbiss bei Beshoff Bros und dann auf zum Cliff Walk – aber nur bei gutem Wetter! Unten krachen die Brecher, oben pfeift der Wind, die Aussicht über das Meer mit dem Vogelinselchen Ireland’s Eye und den in der Ferne vorbeiziehenden Schiffen ist traumhaft. Natürlich gibt es auch einen Leuchtturm.

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