Stadt und Stadtviertel

Ein bisschen Weltstadt

Die irische Hauptstadt liegt etwa auf der Mitte der Ostküste der Insel an der Dublin Bay. Mit 115 km² ist sie flächenmäßig so groß wie Ulm oder Kiel und zählt eine halbe Million Einwohner. Doch diese Zahlen sagen nicht viel, denn die in etwa vom Autobahnring M 50 umschriebene Kernstadt geht an den Rändern nahtlos in politisch selbstständige Vorortgemeinden über, die zu den mit deutschen Landkreisen vergleichbaren Countys Fingal (im Norden), Dun Laoghaire Rathdown (im Süden) und South Dublin (im Südwesten) gehören. Rechnet man diese Vororte mit ein, kommt Dublin auf 1,35 Mio. Einwohner, also etwas weniger als München.

Die mit dem Wechsel der Gezeiten mehr oder minder ansehnliche Liffey trennt die Stadt in Northside und Southside. An ihrer Mündung legen im Seehafen die von England kommenden Fähren und Kreuzfahrtschiffe an. Ähnlich wie in London wurden weite Teile der Docklands jedoch aufgegeben und das brach liegende Gelände mit architektonisch interessanten bis mutigen Wohn- und Geschäftshäusern überbaut. Hier zeigt sich Dublin mit viel Glas, Stahl und Beton als Weltstadt.

Southside …

Verglichen mit anderen Hauptstädten ist Dublins Innenstadt eine kompakte, überschaubare Angelegenheit. Die meisten öffentlichen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten sind vom Castle zu Fuß in längstens einer halben Stunde zu erreichen. Dabei ist die Southside, also die Viertel südlich des Flusses, die bessere Adresse. Hier amten Regierung, Botschaften, Ministerien und andere nationale Institutionen, hier sind die Grundstücke am teuersten und hier wird das meiste Geld ausgegeben, etwa an der Achse Westmoreland Street – Grafton Street – Harcourt Street, Dublins angesehenster Einkaufsmeile. Hier liegen auch das berühmte Trinity College und der Stadtpark St Stephen’s Green. Westlich der Grafton Street versucht das Stadtmarketing gerade mit noch ungewissem Erfolg eine Gegend mit vielen Boutiquen und Designerläden als Creative Quarter zu branden. Dabei hätte dieses Etikett eher das Ausgehviertel Temple Bar verdient, das neben seinen Kneipen auch mit kreativen Läden und innovativer Kultur glänzt.

Gut erhaltene Straßenzüge im georgianischen Stil findet man in der Leeson Street, am Fitzwilliam Square und am Merrion Square. Weiter flussabwärts wurden die früheren Docklands gerade zu einem edlen Büroquartier umgebaut.

Unmittelbar am Fluss liegt das Vergnügungsviertel Temple Bar. Der mittelalterliche Stadtkern lag auf dem Hügel südwestlich davon. Da die meisten Häuser aus Holz waren, sind aber nur noch wenige Spuren dieser Zeit erhalten geblieben.

Northside …

Die lange vernachlässigte, von den Arbeitervierteln in Hafennähe bestimmte Northside hat in den letzten Jahren aufgeholt. Dort kann sich die im 18. Jh. als Prachtboulevard angelegte O’Connell Street, eine Verlängerung der Grafton-Street-Achse, nach langem Verfall wieder sehen lassen, dort entstehen quasi über Nacht neue Szeneadressen. Westlich davon wartet das Marktviertel auf die Gentrifizierung – noch muss man sich vor hinterhältig anrollenden Gabelstaplern in Acht nehmen. Wie die Zukunft einmal aussehen könnte, zeigt Smithfield, Dublins kopfsteingepflasterter Pferdemarkt, den die moderne Architektur mit Stahl und Glas erbarmungslos nüchtern in die Zange genommen hat.

… und drumherum

Umschlossen wird die Innenstadt von der North Circular Road und der South Circular Road. Auf weite Strecken folgen diese den alten, nun mit ihren Uferstreifen als Erholungszonen dienenden Kanälen ins Landesinnere, dem Grand Canal und dem Royal Canal. Außerhalb der so umgrenzten Innenstadt liegen die im 20. Jh. neu entstandenen Wohnquartiere, die älteren unter ihnen noch große, von der Gemeinde zur Linderung der Wohnungsnot initiierte Bauprojekte der klassischen Moderne: die als Mittelschicht-Siedlung konzipierte Gartenstadt Marino, das Arbeiterviertel Cabra mit seinen langen Reihen winziger Backsteinhäuschen und zuletzt die schnell zu sozialen Brennpunkten mutierten Großwohnsiedlungen der 1960er, beispielhaft Ballymun. Wer hier nicht war, hat nichts versäumt.

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