Essen gehen

Morgens wie ein Kaiser

Wer sich in Sachen Essen den irischen Ge­pflogenheiten anpassen will, beginnt den Tag mit einem Full Irish Breakfast: Es macht seinem Na­men alle Ehre und be­steht neben Porridge oder anderen Ge­treide­zubereitungen vor allem aus Ge­bratenem – Speck, Würstchen, Eier … Eine ordentliche warme Mahl­zeit eben, zu der nichts­destotrotz Tee oder Pul­ver­kaffee gereicht wird, Toast und Mar­me­lade sowieso, und manch­mal auch ein Happen Fisch.

Das Mittagessen fällt dagegen typi­scher­weise be­schei­dener aus. Viele Dub­liner be­gnü­gen sich mit einem Pub Grub (auch Bar Food ge­nannt), also einem Snack im Pub, oft einfach nur eine Suppe mit Butterbrot. Oder sie be­su­chen eine Sandwichbar. Eine noch eini­ger­ma­ßen preis­wer­te Alternative ist ein zwei- oder dreigängiges Lunch Me­nu, das Mit­tags­angebot vieler Res­tau­rants. Teatime (ab 16 Uhr) und High Tea (ab 17 Uhr) wird in den iri­schen Tea­rooms und Cof­feeshops we­niger ge­pflegt als in Groß­britannien. Dafür gibt es meist bis ge­gen 19 Uhr ein so­genan­ntes Pre-Theatre Me­nu oder Early Bird Menu, eine günstigere Version des klas­si­schen Din­ners zur an­schlie­ßen­den Haupt­es­sens­zeit.

Essen im Restaurant

Gutes Essen hat in Dublin seinen Preis – unter 10 € ist kaum etwas zu ha­ben, abends sind 30 € für ein Gericht mit al­ko­holfreiem Getränk realistisch. Für ein Glas Bier verlangen auch einfache Lo­kale Preise auf Oktoberfestniveau. Das Trink­geld ist dafür ge­wöhnlich im Preis in­begriffen („ser­vice included“). Die Rech­nung zahlt dann einer – für alle. Oder die Tisch­gemeinschaft teilt sie Pi mal Daumen. Die deut­sche Sitte, je­den das zah­len zu lassen, was er selbst kon­su­miert hat, gilt als un­ge­sel­lig und unüblich.

Die No­bel­ga­s­tro­nomie gibt sich auf ame­ri­kanische Art un­ge­zwung­en, und nie­mand er­war­tet, dass Sie mit Kra­wat­te oder im „kleinen Schwar­zen“ zum Abend­es­sen auf­kreuzen. Gleich­wohl wer­den Sie sich etwas auf­ge­peppt woh­ler fühlen und weniger auf­fallen als mit T-Shirt und Sneakers. In vielen gehobenen Res­taurants ist es üb­lich, zunächst in der Lounge oder an der Bar einen Ape­ri­tif zu sich zu neh­men, bevor man einen Platz zu­ge­wie­sen bekommt.

American Style

„Hi there, my name is Maggie, and I’m your server today.“ Huch, werden Sie den­ken, was will die von mir? Doch kei­ne Angst und keine Hoffnung: Mag­gie ist kein Computer und kein Diener, son­dern die Kellnerin, die Ih­nen mit einem charmanten Lächeln jetzt gleich Ihren Platz an­weisen wird. Und der wird nie­mals an einem Tisch mit Frem­den sein, das wäre extrem un­schick­lich. Da­für wird sich nie­mand dar­über wun­dern, wenn Sie später Ihr Fleisch in mund­ge­rechte Stücke zer­schnei­den, dann das Messer weglegen und zum Es­sen die Gabel in die rech­te Hand neh­men – auch das ist typisch ameri­kanisch und da­mit in Ir­land ver­breitet und ange­sagt.

5 Tipps für 5 Abende

∎ „Mulberry Garden“ – für den edlen Abend zu zweit: Hier ist alles irisch: die Bil­der von irischen Künstlern, die Sprü­che von Oscar Wilde, die Tisch­de­cken aus irischem Leinen, das Besteck in Newbridge gefertigt, das Rapsöl kommt aus Donegal, und wenn es nur ir­gend­wie geht, stammen die Zutaten für die Gerichte aus Irland. Die Menüs, Fisch, Fleisch oder vegetarisch, wech­seln, je nach Saison und Marktangebot.

∎ „Vintage Kitchen“ – Essen mit Wohn­zim­merambiente: Das kleine und in­ti­me Lokal ist mit Ge­braucht­mö­beln und Trö­del eingerichtet, der auch ver­kauft wird. Die Musik spielt stil­gerecht ein Plat­ten­spieler. Tolle iri­sche Küche, gro­ße Portionen. Zum Es­sen darf man sei­nen mit­ge­brach­ten Wein oder ein frisch ge­zapftes Pint von Mulli­gans (ne­ben­an) trinken.

∎ „Silk Road Café“ – Orient trifft Okzi­dent: Ein moder­nes und schickes Café im ruhigen Atriumhof der Chester Beatty Library. Passend zum Ort wird le­vantinische Kost serviert, alles ohne Schwei­ne- und Rindfleisch, dafür glu­ten­frei und mit guter Auswahl für Ve­ge­tarier.

∎ „John Kavanagh The Gravediggers“ – Pub Grub oder Tapas? In dem urigen Pub beim Glasnevin-Friedhof gibt es das bestgezapfte Guinness der Stadt. Und in der Lounge mittags deftiges Bar Food, abends indes leckere Tapas.

∎ „Leo Burdock“ – Dublins bester Chippy: Dieser alteingesessene Im­biss mit nau­ti­schem Am­bien­te samt ausge­stopften Fi­schen serviert die besten Fish & Chips in der Stadt. Celebrities und Kenner schwören auf das Stamm­haus in der Werburgh Street.

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