Essen gehen

Hamburger Küche

Aalsuppe mit Backobst, die viel zi­tier­ten­ Bir­nen, Bohnen und Speck (Gröö­ner Hein) oder die vom Namen her Angst ma­chende Erbsensuppe mit Snu­ten un Po­ten (= Schnauzen und Pfo­ten), hin­terher dann einen Köm, ei­nen Klaren mit Küm­melgeschmack. Al­les schön und gut, alles Hamburger (oder zumindest nord­deutsche) Spe­zia­li­tä­ten. Doch ganz ehr­lich: Ein Lo­kal, in dem diese drei tra­di­tio­nellen Spei­sen (plus der spezielle Schnaps) an­ge­boten wer­den, ist mir wäh­rend mei­ner Re­cher­chen nicht un­ter­ge­kom­men. Dafür gibt es Lokale, auf de­ren Karte ein­zelne die­ser Speisen ste­hen, so z. B. die schrä­ge Oberhafen-Kanti­ne, wo man so­gar ein „Rundstück, warm“ be­kommt, eine Urform des in­zwi­schen in Ha­m­burg so beliebten Bur­gers, oder der Old Com­mer­cial Room, wo es m. E. den bes­ten Labs­kaus gibt.

Apropos Labskaus: Dieses Fleisch­ge­richt erlebt ebenfalls eine Renais­san­ce und wird wieder in vielen Lokalen an­ge­bo­ten, bisweilen lediglich als Pro­bier­portion. Warum das so ist? Hier die Zu­ta­ten: gestampftes Pökel­fleisch mit Spie­gelei, Rollmops, Ge­würz­gurke und Ro­te Bete. Das kann schon schmecken, doch bisweilen brauchen Ungeübte ei­nen­ stabilen Magen …

Einfacher hat man es da mit zwei ande­ren Klassikern: dem Pannfisch und der Schol­le Finkenwerder Art, die im Süß­was­ser in Övelgönne oberhalb des Elb­strands sehr gut sind, aber auch in der Dü­belsbrücker Kajüt, wenn man sich auf den Weg an der Elbe entlang nach Blan­kenese macht.

Ist man an Gourmetküche interessiert, kommt man in Hamburg ebenfalls ziem­lich weit. Derzeit verdingen sich elf Ster­ne­kö­che im Stadtstaat, seit 2015 gibt es sogar einen Meis­ter mit drei Ster­nen: Kevin Fehling mit sei­nem­ Tab­le in der HafenCity. Doch auch Chris­toph Rüf­fer, seines Zei­chens Chef­koch im Vier Jah­res­zei­ten, braucht sich mit sei­nen­ 19 Gault-Millau-Punk­ten nicht ver­ste­cken. Die so über­aus be­kann­ten Fern­seh­kö­che (z. B. Henss­ler & Hens­s­ler) schnei­den da­hin­ge­gen nie so gut ab. „Main­stream­kü­che oh­ne son­der­li­che Am­bi­tio­nen“ hieß es be­reits, und der Mi­che­lin ver­lieh wie­der ein­mal kei­ne Ster­ne …

Hamburger Fastfood

Wer es be­schei­dener mag, fin­det seit eh und je in der Hansestadt ein ex­quisites Fisch­brötchen. Dabei sollte man sich von den handels­üblichen An­ge­boten rund um die Lan­dungs­brücken eher fern­halten und lieber gleich zum Fi­sche­reihafen an der Gro­ßen Elbstraße zie­hen. Doch halt, an der Brücke 10 gibt es sie doch: eine ebenfalls sehr gute Fisch­bude, wo die Brötchen knusprig sind und das Grün­zeug frisch.

Von der Wiederentdeckung des Ham­bur­gers war schon die Rede, deshalb nur kurz: Einen der besten aß ich im Broo­klyn Burger schräg ge­genüber dem Presse­haus in der Alt­stadt. Doch auch das Edelsatt in Außenalster-Nähe kann diese Fleischbrötchen – hier gibt es sie sogar ausschließlich mit Wild­fleisch (eine Maßnahme gegen Mas­sen­tier­hal­tung, die auch bei der Curr­y­wurst ver­folgt wird).

5 Tipps für 5 Abende

Nil“ – Slow Food: Nein, keine Sterne­kü­che ist hier angesagt, doch eine ex­qui­site, bezahl­bare nach Slow-Food-Kri­te­rien. Man speist auf einer Galerie, im Souterrain oder in einem Som­mer­gar­ten.  Tour 8

Petit Bonheur“ – französische Kü­che: Wenn eine ordinäre Blut­wurst „Bou­din noir“ genannt wird, sollte man ei­gent­lich auf d­er Hut sein. Muss man hier aber nicht. Denn ordinär ist im „Klei­nen Glück“ über­haupt nichts. Das Am­biente macht glücklich, die Speisen so­wieso.  Tour 3

Cuneo“ – das Kultlokal auf St. Pauli: Schon mehrfach hat es Lesern dieses Rei­seführers in diesem Fa­mi­lien­be­trieb ge­fallen. Man isst italienisch, sieht manch­mal Promis und geht hin­terher auf die Reeperbahn. Dabei bleibt alles be­zahlbar. Tour 2

Witthüs“ – mit einem Bein in Blan­ke­nese: Hans Henny Jahnn lebte bis 1959 hier. Inzwischen wird das reet­ge­deck­te Walmdachhaus im Hirsch­park­ re­gel­mäßig von Michelin erwähnt. Eine gu­te Wahl sind die Menüs.  Tour 7

Neni“ – sympathisches Chaos: So ein Lo­kal hat in der HafenCity bislang ge­fehlt. Die eklektische Küche im Alten Ha­fen­amt erinnert an die Tapas-Kul­tur des Mittelmeerrau­ms, vereint ara­bi­sche und afrikanische Einflüsse – und schmeckt­ richtig, richtig gut. So­fern man­ orientalische Küche mag!  Tour 1

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