Orientiert in Hamburg

755 km² Hamburg

Seit dem „Groß-Hamburg-Gesetz“, das von 1937 und damit aus düsterer Na­zi­zeit stammt, gehört die Hamburger Pe­ri­pherie zum Stadtgebiet. Damals wuchs das Territorium der Hansestadt von einem Tag auf den anderen um gut 80 Prozent, und die Einwohnerzahl nah­m um eine halbe Million zu. Heute le­ben in der zweitgrößten Stadt Deutsch­lands knapp 1,9 Mio. Men­schen auf einer Flä­che von exakt 755,26 km². Das wie­de­rum heißt: Die dritt- und die viert­größ­ten Städte der Republik, München und Köln, würden zusammen in den Stadt­staat hineinpassen.

Elbe und Hafen

Die Elbe teilt Hamburg ziemlich genau in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Während südlich des Flusses die 74 km² großen Hafenanlagen mit ihren vier umschlagkräftigen Con­tainer­ter­mi­nals liegen, wird an den Kaikanten der gegenüberliegenden Seite kräftig gebaut (HafenCity), kräftig gefeiert (St. Pauli) oder nach Kräften flaniert (Spei­cher­stadt). Ein enormer Reiz der Han­se­stadt besteht darin, dass das „ur­sprüng­liche“ Hamburg genau hier statt­fin­det. Dort, wo der gezeitenabhängige Fluss fließt, erfindet sich Nord­deutsc­h­lands spannendste Stadt stets neu und er­eignen sich die schönsten Skandale (nicht nur die Elbphilharmonie lässt grü­ßen …). Und dort halte ich mich am liebs­ten auf, denn dort gibt es immer et­was zu sehen.

Alster und Außenalster

Geradezu beschaulich ist dagegen das zwei­te Gewässer des Stadtstaates, die Alster. Sie entspringt ein paar Kilo­me­ter nördlich der Hamburger Stadt­grenze und fließt gemächlich weiter Rich­tung Stadtmitte. Kurz davor ist sie seit grauer Vorzeit zum großen Al­s­ter­see aufgestaut. Dessen ver­hält­nis­mä­ßig kleiner, südlicher Teil heißt Bin­nen­alster; sein größerer, nördlicher Teil ist die Außenalster, die auch „Ham­bur­ger Meer“ genannt wird. An­ders als die Wirt­schafts­fak­toren Elbe und Ha­fen sind Als­ter und Au­ßenalster reine Fre­i­zeit­reviere. Dort schip­pern die Aus­flugs­dampfer, und dort dre­hen die Jogger und Spa­zier­gän­ger ihre Runden.

Bezirke und Stadtteile

Kennen Sie Duvenstedt, Sinstorf oder Loh­brügge? Ich auch nicht. Warum das so ist? Diese Stadtteile spielen tou­ris­tisch eine untergeordnete Rolle, auch wenn die Duvenstedter, Sinstorfer und Loh­brügger das möglicherweise anders se­hen … Aber von vorne: Hamburg ist in 7 Be­zirke unterteilt (Altona, Eimsbüttel, Nord, Wandsbek, Mitte, Harburg, Ber­ge­dorf), die wiederum in insgesamt 104 Stadt­teile gegliedert sind. Die touristisch wich­tigsten Stadtteile verteilen sich prak­tischerweise auf nur zwei Bezirke: Ham­burg-Mitte und Altona.

Die Schwerpunkte: Mitte und Altona

In Mitte – und dort nördlich der Elbe – lie­gen „von links nach rechts“: St. Pauli mit Kiez & Co; die Neustadt mit Michel und Jungfernstieg; die Altstadt; die Ha­fen​City mit Elbphilharmonie und an­gre­nzender Speicherstadt; St. Georg mit sei­nem Spektrum von Bahn­hofs­vier­tel­charme bis Außenalster-Gediegenheit. Da­mit man sich keine falschen Vor­stellungen macht: Die Altstadt hat ihr vor­angestelltes Attribut nur auf dem Pa­pier, Stadtsanierungen und 213 Luft­an­griffe während des Zweiten Wel­t­kriegs haben die historische Bau­sub­stanz nahezu komplett zerstört. Mit zwei architektonischen Hochkarätern kann sie aber immer noch angeben: dem Rathaus und den „Han­dels­ka­the­dra­len“ des Kontorhausviertels, die die UNESCO (mitsamt der Speicherstadt) 2015 als Weltkulturerbe geadelt hat.

Anders als Mitte steht Altona nicht so sehr für die klassischen Se­hens­wür­dig­kei­ten, den Reiz macht dort die be­son­de­re Atmosphäre aus: im ver­win­kel­ten Ot­tensen, beim Elbstrand in Oth­mar­schen, im multikulturellen Schan­zen­viertel und im vornehmen Blankenese.

Touristische Exklaven

Jenseits von Mitte und Altona wird die tou­ristische Luft dünner. Wer sich mehr als zwei Tage in Hamburg auf­hält, sollte sich aber mit ein paar „Ex­kla­ven“ vertraut machen: Ich empfehle das Grindelviertel ein paar Kilometer nörd­lich der Altstadt mit seinem einst jü­dischen und jetzt studentischen Flair, den hoch in Hamburgs Norden ge­le­ge­nen Ohlsdorfer Friedhof, der als größ­ter Parkfriedhof des Planeten gilt, und tat­sächlich auch die südöstlich der Stadt gelegene Gedenkstätte beim ehe­ma­ligen Konzentrationslager Neu­en­gam­me, mit der sich Hamburg so lange Zeit so schwer getan hat.

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