Essen gehen

Fein oder zünftig

Kölner gehen für ihr Leben gerne aus. Entsprechend viele Cafés und Restaurants findet man in der Domstadt. Sie sind das Ersatzwohnzimmer der kommunikativen Rheinländer, hier treffen sich alteingesessene Bürger, zugezogene „Imis“ und Touristen – vorzugsweise an frischer Luft, auch im tiefsten Winter. Denn sobald sich die Sonne zeigt, werden draußen Tische und Stühle ausgeklappt. Der Übergang vom feinen Restaurant zum zünftigen Biergarten ist oft fließend, das Publikum – frei nach dem Motto „Jede Jeck is anders“ – gemischt. Die größte Auswahl an Restaurants und Kneipen gibt es in der Altstadt und Südstadt, im Zülpicher Viertel und Belgischen Viertel.

Brauhauskultur

Erstbesucher sollten mindestens einmal ein echtes Brauhaus aufsuchen. Die größte Auswahl bietet die Altstadt, jedoch birgt auch jedes andere Stadtviertel mindestens ein Flaggschiff rheinischer Gemütlichkeit. Brauhäuser sind rustikal eingerichtet – holzvertäfelte Wände und alte Requisiten lassen sie wie ein Museum wirken. Der Kellner heißt hier Köbes – häufig schnoddrig und redselig, nicht selten rechthaberisch oder gar ruppig. Er trägt traditionell eine blaue Schürze. Nabel jeder Bierschwemme ist der Beichtstuhl, häufig auch Thekenschaaf oder Kontörchen genannt. Vom hölzernen Kabuff steuert der Wirt den Geschäftsbetrieb.

Wichtigste Spezialität ist frisch gezapftes Kölsch, das in schlanken 0,2-Liter-Gläsern kredenzt wird. Bereits 1429 – ein knappes Jahrhundert vor dem bayerischen Reinheitsgebot – verabschiedete die hiesige Brauerzunft ein Dekret, das Zutaten und Mengenangaben regelte. Allerdings hatte das damalige Getränk wenig mit dem heutigen Kölsch gemein, das 1918 erstmals erwähnt wird.

Rheinische Spezialitäten

Kulinarische Hochgenüsse darf man in einem Brauhaus nicht erwarten. Die deftige Küche mundet dennoch i. d. R. ausgezeichnet! Ein Klassiker ist der rheinische Sauerbraten: Bevor das Pferdefleisch (heute meist Rindfleisch) im Ofen schmort, wird es in einen Sud aus Essig, Wein und Gewürzen eingelegt. Beliebte Beilagen sind Apfelmus und Kartoffelklöße.

Weitere Brauhausspezialitäten sind Halver Hahn (ein Roggenbrötchen mit Käse), Himmel un Ääd (Äpfel, Kartoffeln und mit Zwiebeln und Speck angebratene Blutwurst) und Rievkooche (Kartoffelpuffer). Unter Hämchen versteht man eine gekochte Haxe vom Vorderbein des Schweins, die in Salzlake gepökelt und mit Sauerkraut und scharfem Senf verzehrt wird.

Kölsche Kaviar met Musik hat wenig mit klassischem Kaviar zu tun, sondern mit Flönz (Blutwurst) und Röggelchen, allerdings mit rohen Zwiebelringen als Beilage, was Konsumenten unfreiwillig zum Musizieren bringt!

5 Tipps für 5 Abende

Päffgen – rustikales Brauhaus: Eines der berühmtesten Kölner Brauhäuser ist das „Päffgen“ im Friesenviertel. Die auf das Jahr 1883 zurückgehende Hausbrauerei bietet, was ein typisches Kölner Brauhaus ausmacht: urige Inneneinrichtung mit jeder Menge Kolorit, deftige Brauhausspezialitäten und süffiges Kölsch – im Sommer mit Biergarten im Hinterhof. → Tour 5

Lommerzheim – Kultkneipe: Jeder Kölner kennt die Deutzer Kaschemme – spätestens seit der Wirt Bill Clinton des Hauses verwies, weil er die Stammgäste nicht düpieren wollte! Einfache, improvisierte Einrichtung, alles andere als schick und ziemlich kultig. Ausgeschenkt wird Päffgen-Kölsch. → Tour 9

Oma Kleinmann – die Südstadtinstitution: Zwar starb die Kölner Kultwirtin Paula Kleinmann 2009, die typische Eckkneipe gibt es aber noch. Sogar ein Buch erschien über die beliebte Südstadt-Bewohnerin! Bodenständiges Ambiente, deutsche Küche, ausgeschenkt wird Sünner-Kölsch. → Tour 7

Schmitz – Metzgerei ohne Fleisch: Eine Institution im Belgischen Viertel ist der einstige Metzgereibetrieb, der heute eine Patisserie beherbergt. Der Clou: Das Ambiente mit Fliesen an den Wänden wurde nahezu beibehalten. Die Frischetheke birgt Schmackhaftes und Hausgemachtes – Kuchen, Quiches und Salate. → Tour 7

Vendôme – Gourmetküche: Das einzige Drei-Sterne-Restaurant residiert außerhalb der Stadt in Bergisch-Gladbach. Seit über 10 Jahren schwingt Joachim Wissler den Kochlöffel im Schloss Bensberg und kredenzt seine „Neue Deutsche Küche“. Wenige Menüs, eine Übernachtung im Schlosshotel ist möglich. Mi–So 19–22, Sa/So auch 12–14 Uhr. Tel. 02204-420, www.​schloss​bensberg.​com.

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