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Korsika

Wandern auf Korsika

Wandern auf Korsika

► Mit 8.722 km² Fläche ist Korsika hinter Sizilien, Sardinien und Zypern die viertgrößte Insel im Mittelmeer. Obwohl die Inselfläche gerade einmal drei Viertel des Schwarzwaldes im Südwesten Deutschlands beträgt, sind die höchsten Berge fast doppelt so hoch. Keine 25 km hinter der Küste erreicht Korsikas höchster Berg, der Monte Cinto, eine stattliche Höhe von 2.706 m. Zu ihm gesellen sich über 120 weitere Gipfel mit einem Höhenniveau von über 2.000 m, die bis in den Sommer noch Schneefelder aufweisen. Mit einer Durchschnittshöhe von fast 600 m liegt Korsika deutlich höher als seine beiden größeren Nachbarn. Ein Drittel der Gesamtfläche ist mit Laub- und Nadelwald bedeckt. Eine Vielzahl von glasklaren Flüssen, Bächen, Wasserfällen und Bergseen durchzieht Korsika, von denen einige auch im Sommer noch üppig Wasser führen.

Ein durchgängiges Wanderwegenetz führt zu all diesen Naturschönheiten. Und aus diesem reichhaltigen Angebot werden in diesem Wanderführer Touren sowohl für Eltern, Kinder und Senioren als auch für Bergsportler vorgestellt. Dabei fehlt die spektakuläre Gipfelbesteigung auf den höchsten Berg genauso wenig wie die gemütliche Strandwanderung. Nicht umsonst zählt Korsika zu den beliebtesten Wanderregionen Europas. 

Wanderregionen auf Korsika

Für viele ist Korsika ein Wandergebiet der Extreme, und die meisten denken zunächst an den Fernwanderweg GR 20. In diesem Wanderführer werden jedoch auch all jene auf ihre Kosten kommen, die alleine oder mit der ganzen Familie auf Tagestouren und Spaziergängen die Insel erkunden wollen.

► Nordosten – Cap Corse, Nebbio und Castagniccia: Das Cap Corse ist eine ca. 40 km lange und 15 km breite Halbinsel, die sich auf der Landkarte wie ein ausgestreckter Daumen im Norden markant von der Hauptinsel abhebt. Das Cap Corse wird auch gerne als Klein-Korsika bezeichnet, weil es auf engem Raum ähnliche Landschaftsstrukturen aufweist: eine sanft abfallende Ostküste (Tour 1), eine schroffe, stark gegliederte Westküste und ein mächtiger Gebirgszug in Nord-Süd-Ausrichtung mit dem Monte Stello als zweithöchste Erhebung (Tour 2). Geologisch gehören das Cap Corse und die südlich gelegene dicht bewaldete Castagniccia zur Schieferzone. Dazwischen liegt das fruchtbare Nebbio (Tour 3) – bekannt für seine hervorragenden Weine aus der Gegend um Patrimonio. Die höchste Erhebung im „Land der Kastanien“ (Castagniccia) ist der Monte San Petrone (Tour 4). Nach Osten fällt das Mittelgebirge steil und aussichtsreich ab (Tour 5). Die alten Wirtschaftswege in den dichten Wäldern werden allmählich für den Tourismus wiederentdeckt (Tour 6).

► Nordwesten – Balagne: Während das Cap Corse und die Castagniccia touristisch noch entwicklungsfähig sind, erfreut sich die nördliche Balagne (mit den Hauptorten Calvi und L’Ile-Rousse) großer Beliebtheit und gehört zu den Hauptferiengebieten Korsikas (Touren 7, 8, 9 und 10).

► Zentrum – Cortenais, Niolo-Hochebene und Asco-Tal: Das Landesinnere, die Region Cortenais, wird maßgeblich von einem zentralen Gebirgsmassiv – der sog. Grande Barrière – bestimmt, das sich s-förmig vom Nordwesten bis in den Südosten der Insel erstreckt und die Hauptwasserscheide bildet. Auf dieser Linie reihen sich die höchsten Berge Korsikas wie an einer Perlenkette aneinander. Überragt werden alle vom Monte Cinto mit 2.706 m (Tour 16), dicht gefolgt vom Monte Rotondo mit 2.622 m (Tour 14), der lange für den höchsten Berg gehalten wurde (→ „Die Vermessung des Monte Rotondo“). In den Senken hat sich eine Vielzahl von Gletscherseen erhalten. Einer der schönsten ist der Nino-See (Tour 15) mit seinen charakteristischen Pozzini (Moorwiesen). Aus ihm entspringt der Tavignano, der bis nach Corte ein einsames Tal durchfließt (Tour 12). Corte, die ehemalige Hauptstadt eines kurze Zeit unabhängigen Korsikas, ist heute idealer Ausgangspunkt für viele Wanderungen, z. B. zum Melo-See und Capitello-See, die den Abschluss des Restonica-Tals bilden (Tour 13).

Die nördlich angrenzende Niolo-Hochebene ist umgeben von einem Ring hoher Berge und war bis vor gut 100 Jahren aufgrund ihrer geografischen Lage weitgehend abgeschottet vom Leben an den Küsten. Vor der verkehrstechnischen Anbindung über den Col de Verghio im Westen und die Schlucht Scala di Santa Regina im Osten benutzten die Bewohner einen Hirtenweg hoch oberhalb der tief eingeschnittenen Schlucht, der heute noch gut erhalten ist (Tour 17).

Noch weiter nördlich führt das langgezogene Asco-Tal tief in die hochalpine Bergwelt Korsikas. Die Stichstraße durch das Tal endet in einem ehemaligen Skigebiet. Das dortige Berghotel dient u. a. als Etappenziel für GR-20-Wanderer. Aber auch spektakuläre Tagestouren wie die Gratwanderung über die Punta Culaghia (Tour 11) sind von hier aus möglich.

 Westen – Golf von Porto, Golf von Pero, Cinarca, Golf von Ajaccio und Gravona: Westlich der sog. Grande Barrière fallen die Berghänge steil ab. Die Täler sind tief eingeschnitten und bilden teilweise fjordartige Buchten zum Meer hin. Am deutlichsten wird das im Golf von Porto, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Direkt an der Küste ragt der steile Capo d’Orto spektakulär 1.294 m auf und bietet eines der eindrucksvollsten Küstenpanoramen der Insel (Tour 18). Ihm zu Füßen bilden die sog. Calanche die vielleicht sonderbarste landschaftliche Region der Insel: Witterungseinflüsse, sog. Tafoni-Bildung, haben die abends tiefrot leuchtenden Granitfelsen zu fantasievollen Gebilden geformt (Tour 19). Begrenzt wird der Golf von Porto von markanten Felsen, die ebenfalls steil zum Meer hin abfallen (Touren 21 und 23). Im Hinterland befindet sich ein ausgedehntes Waldgebiet, das stark an den Schwarzwald erinnert und von Flüssen und Seen durchzogen ist (Tour 20).

Nach Süden schließen sich bei Cargèse der kleine, romantische Golf von Pero (Tour 22) und der Golf von Sagone an. Die Küstenregion wird von weitläufigen Sandstränden bestimmt, wie man sie sonst nur südlich von Ajaccio und an der Ostküste findet. Das ist v. a. dem Liamone-Fluss zuzuschreiben, der den Sand aus dem Hinterland, der Region Cinarca, zur Küste transportiert. In dieser Region befinden sich viele kleine Dörfer in wildromantischer Umgebung (Tour 29), die durch schmale, kurvenreiche Sträßchen miteinander verbunden sind.

Der Golf von Ajaccio wird im Norden von den Sanguinaires-Inseln begrenzt, die sich in Verlängerung eines Höhenzuges (Tour 26) weit ins offene Meer erstrecken. Die Küste südlich von Ajaccio reicht bis zum Capo di Muro. Der erste Abschnitt bis zur Punta di a Castagna ist mit seinen prächtigen Sandstränden bei Badetouristen sehr beliebt. Bereits direkt hinter der Küste ist es dagegen einsam und wenig besiedelt, was für die Lage eines ehemaligen Zuchthauses (Tour 28) nicht unwichtig war.

Das fruchtbare Hinterland von Ajaccio (Tour 27) gehört zur landwirtschaftlich intensiv genutzten Region Gravona. Der namengebende Fluss entspringt im Inneren der Insel am Westhang des Renoso-Massivs und mündet bei Ajaccio ins Meer. Der zentrumsnahe Teil der Region ist von eindrucksvollen Gebirgsbächen mit Wasserfällen geprägt (Tour 25), und die Besteigung des 2.000er-Gipfels Monte Renoso (Tour 24) ist sogar mit der ganzen Familie möglich.

 Süden – Sartenais, Ortolo, Alta-Rocca und Extrême-Sud: Nach Süden hin wird die Landschaft deutlich flacher. Die frühe Besiedlungsgeschichte Korsikas begann im Sartenais, wovon etliche Ausgrabungen und Funde zeugen, die besichtigt werden können. Dazu gehören auch die Torreaner-Siedlungen von Cucuruzzu und Capula (Tour 31). Während das Sartenais im Südwesten bis zur Südspitze bei Bonifacio nur noch geringe Höhenunterschiede aufweist und eher gemütliche Küstenwanderwege bereithält (Touren 30 und 35), kratzt das Cagna-Gebirge im Ortolo-Gebiet an der 1.300-m-Marke. Markenzeichen ist der berühmte Wackelstein L’Omo di Cagna, von dem aus die gesamte Südküste bis hinüber nach Sardinien überblickt werden kann (Tour 34).

Der Höhenzug des Cagna-Gebirges setzt sich nach Nordosten bis in das dicht bewaldete Alta-Rocca-Wandergebiet fort. Neben dem spektakulären Wasserfall Piscia di Gallo (Tour 32) gehören die Felstürme der Aiguilles de Bavella, die sog. Korsischen Dolomiten, wegen ihrer charakteristisch gezackten Silhouette zu den empfehlenswertesten Ausflugszielen (Tour 33). Ganz im Süden in der Region Extrême-Sud, quasi vor den Toren Sardiniens, schließt eine Wanderung (Tour 35) oberhalb der spektakulären Kreideküste das Abenteuer Korsika ab. 

Wetter und Wandersaison

 Klima und Jahreszeiten: Im Allgemeinen ist das Klima Korsikas durch warme, trockene Sommer und kühle, feuchte Winter gekennzeichnet. Doch Vorsicht: Zwischen den Küstengebieten und den Hochlagen gibt es große Unterschiede. Während an den Küsten mediterranes Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden Wintern herrscht, ist das Klima oberhalb von ca. 1.500 m alpin mit kalten, schneereichen Wintern! Von seiner Schwesterinsel Sardinien unterscheidet sich Korsika durch ein – aufgrund der höheren Gebirge – kühleres Klima sowie einen üppigeren Pflanzenwuchs.

Korsika ist von der Sonne verwöhnt: So beträgt in Ajaccio die Sonnenscheindauer 2.726 Std. pro Jahr (im sonnenscheinreichsten Ort Deutschlands – Zinnowitz auf der Insel Usedom – sind es rund 1.920 Std.). Die Niederschlagsmengen pro Jahr liegen an der Ostküste um rund 30 % höher als an der Westküste und im Gebirge mehr als doppelt so hoch wie an den Küsten. So fallen in Calvi 692 mm pro Jahr, während es auf dem 1.630 m hoch gelegenen Plateau d’Ese – Korsikas dritthöchster Wetterstation – 1.590 mm sind, eine Menge, die auch am Nordrand der Alpen üblich ist.

Im Frühjahr ist mit schauerartigen Niederschlägen zu rechnen bei nur zögerlicher Erwärmung – in den Hochlagen liegt und fällt noch Schnee. Die Temperaturen steigen im April tagsüber auf 15–18 °C an den Küsten und auf 10–14 °C in den Bergen. Nachts sinken sie an den Küsten unter 10 °C, in den Bergen aber auch noch vereinzelt unter 0 °C (Frosttage): Auf dem Plateau d’Ese sowie in Tallagen (Forsthaus im Aitone-Wald auf 1.030 m) sind im April immerhin noch durchschnittlich sechs Frosttage zu verzeichnen, auf dem Col de Mela (1.108 m) sind es zwei.

Der Sommer ist die Jahreszeit mit den geringsten Niederschlägen, der Juli fast überall der wärmste Monat. Während an der Küste ungestört die Sonne scheint, entwickeln sich in den Bergen oft heftige Gewitter mit Hagel, die meistens um die Mittagszeit einsetzen.

Im Herbst ist der September der schönste Monat. Die Zeit der Wärmegewitter ist dann vorbei, Niederschläge sind noch relativ selten, und die Tagestemperaturen sind ähnlich angenehm wie im Juni. Nachts rutscht das Thermometer an den Küsten schon mal unter 10 °C, und im Hochgebirge sind erste Frostnächte möglich. Ende Oktober und im November wird Korsika oft von heftigen Stürmen mit starken Regenfällen heimgesucht, wobei die Niederschläge selten langanhaltend sind. Dann schwellen die Flüsse stark an und richten unter Umständen heftige Zerstörungen an. Der November ist der niederschlagsreichste Monat auf Korsika.

In den Wintermonaten profitieren die Küsten vom Wärmespeicher des Mittelmeers. Die Temperaturen liegen tagsüber oft um die 14 °C. Selten schneit es auch mal bis in Küstennähe. In den Bergen erreichen die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen 5–8 °C, und Nachtfrost ist keine Seltenheit. Der Januar ist zwar der kälteste Monat, doch zeichnet er sich oft auch durch eine längere Periode schönen Wetters aus. 

 Kleine Windkunde: So wie für den gesamten östlichen und zentralen Mittelmeerraum ist auch für Korsika die Wechselhaftigkeit des Windes charakteristisch. Die vorherrschende Windrichtung ist Nordwest bis Nord, wobei die mittlere Windgeschwindigkeit im Winter größer ist als im Sommer.

Sehr markant ist der Mistral, ein kalter Wind aus Nordwest, der bei hohem Luftdruck über der Biskaya und einem Tief über Nord- und Osteuropa entsteht – Tiefdruckentwicklung über dem Golf von Genua wirkt dabei noch verstärkend. Die einströmende Polarluft wird entlang der Rhône zwischen Zentralmassiv und Alpen düsenartig verstärkt, nimmt über dem Mittelmeer Feuchtigkeit auf und trifft dann mit Wucht auf die Westküste Korsikas, wo sich innerhalb weniger Stunden das Meer meterhoch auftürmen kann. Im Osten der Insel, der Lee-Seite, gibt es dann heftige Fallböen, die durch die Gebirgspässe noch verstärkt werden – Bastia ist berühmt-berüchtigt hierfür. Am häufigsten weht der Mistral im Winter. Er kann dann mehrere Tage anhalten.

Der Libeccio ist fast das ganze Jahr über präsent und kommt aus südwestlicher bis westlicher Richtung. Er entsteht meist in Verbindung mit Tiefs, die sich über dem westlichen Mittelmeer entwickeln, oder (häufig im Winter) wenn atlantische Tiefdruckgebiete sich ostwärts übers Mittelmeer verlagern. Im Winter ist der Libeccio feucht-kalt und stürmisch, im Sommer und Herbst entstehen in feucht-warmer Luft häufig Gewitter.

Aus nördlicher bis nordöstlicher Richtung weht die Tramontana, die zwar kalt ist, jedoch wärmer als der Mistral und auch weniger stürmisch. Sie tritt am häufigsten im Winter auf und ist v. a. an den östlichen Berghängen deutlich spürbar.

Nicht zu vernachlässigen sind auch der Schirokko – er bringt aus südöstlicher Richtung heiße und trockene Luft direkt aus der Sahara mit und lässt das Thermometer kräftig steigen – sowie der Ponente, welcher aus dem Westen kommt und für warme und trockene Witterung sorgt. 

 Wandersaison: Im Frühjahr sind die Monate Mai und Juni sehr gute Wandermonate. Es kann bereits sommerlich warm werden mit Temperaturen bis 25 °C und mehr. Die Insel blüht und duftet wie ein Gewürzschrank. Die Luft ist klar und frisch. Bei Wanderungen an den Küsten besteht noch keine Überhitzungsgefahr. Die Witterung ist allerdings noch nicht sehr stabil. So kann es bis Anfang Juni immer noch heftige Niederschläge (auch mit Schneefall) in den Bergen geben. Immer wieder sind um Pfingsten herum schlimme Unfälle in den Bergen zu beklagen. Alpine Begehungen sollten besser in die Herbstmonate gelegt werden, oder es bedarf einer sorgfältigen Wetterbeobachtung im Vorfeld. Wintersport ist bis Mitte Mai in den Skigebieten durchaus möglich.

Der Sommer ist heiß und trocken. Wanderungen in den Niederungen können aufgrund der hohen Temperaturen strapaziös werden und belasten den Organismus insbesondere älterer Herrschaften. Alpine Touren sind dagegen sehr angenehm. Die Nächte eignen sich zur Übernachtung im Freien auch über 2.000 m. Einzelne Schneefelder können noch vorhanden sein, bereiten jedoch keine größeren Schwierigkeiten mehr. Riskant können lediglich im Sommer die nicht unüblichen Wärmegewitter sein, die innerhalb kürzester Zeit zu plötzlichen Wetterstürzen mit Hagelschlag führen und Wanderern zum Verhängnis werden können. Ende August bis Ende September ist die ideale Zeit für alpine Wanderungen, da die Witterung jetzt relativ stabil ist.

Im Herbst sind die Monate Oktober und November an den Küsten die niederschlagsreichsten und deshalb nur bedingt für Wanderungen zu empfehlen. 

Stein- und Felskunde für Wanderer

 Korsika und Sardinien bilden gemeinsam einen kleinen Kontinent. In der Erdneuzeit vor ca. 21 Mio. Jahren trennte sich dieser Kontinent vom Festland entlang der heutigen Côte d’Azur ab und wanderte innerhalb von 5 Mio. Jahren auf einer Kreisbahn im Gegenuhrzeigersinn bis in seine heutige Lage.

Geologen unterscheiden im Wesentlichen vier Gebiete: die kristalline Zone, die Schieferzone, die Bruchzone und das Schwemmland.

Die kristalline Zone entstand gemeinsam mit dem deutschen Schwarzwald vor über 300 Mio. Jahren (damals war es ein zusammenhängender Gebirgszug) und nimmt die größte Fläche ein. Sie besteht überwiegend aus Granitgestein. Sie ist sehr schroff gefaltet, hat Steilabfälle zum Meer hin und verläuft westlich der Linie L’Ile-Rousse – Corte – Solenzara. In ihr zieht sich die zentrale Bergkette s-förmig von Nordwesten bis Südosten mit den wichtigsten Gipfeln von Monte Padro (2.393 m), Monte Cinto (2.706 m), Monte Rotondo (2.622 m), Monte Renoso (2.352 m) und Monte Incudine (2.136 m).

Östlich dieser Linie (einschließlich des Cap Corse) verläuft die Schieferzone. Sie entstand wesentlich später als die kristalline Zone, nämlich vor über 100 Mio. Jahren zusammen mit den Alpen. Gemeinsam mit dem fruchtbaren und landwirtschaftlich intensiv genutzten Schwemmland entlang der sog. Plaine Orientale (Flachland im Osten) zwischen Bastia und Solenzara schließt sie zum Meer hin ab. Das Mittelgebirge weist nicht diese extremen Höhenunterschiede wie die kristalline Zone auf. Der höchste Berg ist der San Petrone (1.767 m) in der Castagniccia.

Beide Hauptzonen werden durch die sog. Bruchzone voneinander getrennt. Wie ein schmales Band verläuft die Senke zwischen den so unterschiedlichen Gebirgen. Am deutlichsten kann man dies bei Corte erleben, wo die kristalline Zone und die Schieferzone direkt gegenüberliegen – getrennt durch das zusammenhängende Straßenband aus N 193 und N 200. 

Pflanzenwelt

 Aufgrund des subtropischen Klimas und der dennoch relativ niedrigen Durchschnittstemperaturen gedeiht auf Korsika eine üppige Vegetation, die sich deutlich von den ansonsten eher kargen Nachbarinseln unterscheidet. Begünstigt durch die unterschiedlichen Klimazonen hat sich eine große Artenvielfalt entwickelt. Über 2.000 Pflanzenarten sind bekannt, einige Hundert davon sind endemisch, d. h. nur auf der Insel beheimatet.

Die Laricio-Kiefer (Pinus nigra ssp. Laricio) ist z. B. eine neben Korsika nur in Kalabrien und Sizilien vorkommende Schwarzkiefer und die am weitesten verbreitete Baumart der Insel. Sie wird bis zu 50 m hoch, kann einen Durchmesser von über 2 m erreichen und bis zu 800 Jahre alt werden. Sie wächst in Höhen zwischen 1.300 m und 1.800 m. Besonders knorrige Exemplare stehen am Col de Bavella (Tour 33) und im Asco-Tal (Tour 11). Ihre schöne Schwester ist die Weißtanne (Abies alba), die ebenfalls zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) gehört. Sie wird „nur“ 500 bis 600 Jahre alt, erreicht eine Höhe von bis zu 60 m und einen Durchmesser bis 3 m. Auffällig ist der kerzengerade Wuchs, der ihr eine besondere Beliebtheit beim Schiffbau zur Anfertigung der Masten einbrachte. Besonders schöne Exemplare findet man im Forêt de la Flasca am Col de Verde und im Forêt d’Aitone im Hinterland von Porto an der Westküste. Unterhalb von 1.600 m gehen die Wälder an den Nord- und Osthängen überwiegend in Buchenwälder und an den Südhängen unterhalb von 1.300 m in Stein- und Flaumeichenwälder über.

Die Edelkastanien (Castanea sativa) in der Castagniccia (Tour 4) haben ihren Ursprung in einem genuesischen Gesetz aus dem 16. Jh., das jedem Landbesitzer vorschrieb, jedes Jahr vier Bäume zu pflanzen. So entwickelte sich der ehemals durch Ackerbau und Viehzucht geprägte Landstrich zu einem der ausgedehntesten Kastanienwälder der Insel und brachte den Bewohnern einen gewissen Wohlstand. Die Kastanien wurden zu Mehl und Viehfutter verarbeitet und sind seit einigen Jahren auch wesentlicher Bestandteil des beliebtesten Bieres auf Korsika (Pietra). Heute ist die ehemals bevölkerungsreichste Gegend durch Abwanderung verwaist, und die Bäume sind von Schädlingen befallen. Wirtschaftlich spielen Kastanien keine Rolle mehr.

Von regionaler wirtschaftlicher Bedeutung sind dagegen die importierten und in Meeresnähe angebauten Oliven- (Olea europaea) und Zitrusplantagen. Auch Eukalyptusbäume (Eucalyptus) gehören dazu. Den Weinanbau brachten die Griechen auf die Insel, kultiviert wurde er von den Römern. Im großen Stil wurde er v. a. an der Ostküste in den 60er-Jahren von den Franzosen industrialisiert – im Zuge der Flüchtlingswelle aus Algerien –, was der Qualität der Weine jedoch abträglich war. Durch massive qualitätssteigernde Maßnahmen wurde der Ruf korsischer Weine wieder verbessert, und so gelingt es kleineren Weinbaubetrieben immer wieder, lukrative Auszeichnungen einzuheimsen.

Heimische Nutzbäume sind z. B. Erdbeerbäume (Arbutus), aus deren Früchten Schnaps und Marmelade hergestellt werden, und Korkeichen (Quercus suber), die v. a. im Südosten in der Gegend um Porto-Vecchio wachsen. Die immergrünen Bäume produzieren in ihrem Leben bis zu 200 kg Kork, der meist als Flaschenverschlüsse Verwendung findet. Neben korsischem Schafskäse, einem wesentlichen Grundmaterial für den berühmten Roquefortkäse, ist Kork das wirtschaftlich wichtigste Naturprodukt Korsikas. Durch die zunehmende Verwendung alternativer Verschlussmaterialien verliert Kork allerdings an Bedeutung.

In unbewaldeten Regionen und auch nach Waldbränden beherrschen die immergrüne Macchie und die Garrigue das Landschaftsbild. Über die Hälfte der Insel ist mit Macchie bedeckt. Sie besteht überwiegend aus mehrere Meter hohen, undurchdringlichen Baumsträuchern und setzt sich aus einer Vielzahl von Pflanzenarten zusammen, z. B. Erdbeerbäumen, Oleander, Zistrosen, Ginster und Steineichen. Besonders bei Ziegen ist die Macchie als Nahrungsgrundlage beliebt. Die Garrigue wird nur 1–2 m hoch und besteht ebenfalls aus einem Artenmix, zu dem u. a. Zistrosen, Rosmarin, Wacholder, Lorbeer und Thymian gehören. Wenn im Frühjahr (April bis Mai) die Sträucher üppig blühen, wähnt man sich regelrecht in einem Gewürzschrank. Sie verleihen Korsika den unverwechselbaren Duft, den Napoléon Bonaparte bereits zu schätzen wusste, als er sagte, er könne seine Heimatinsel mit verbundenen Augen an ihrem Duft erkennen. 

Tierwelt

 Im Gegensatz zur üppigen Vegetation ist die Artenvielfalt der Fauna auf Korsika eher gering. Durch die Insellage gelangten nicht viele Säugetiere in die Region. Und die, die es taten, wurden gejagt und im Bestand stark dezimiert oder inzwischen sogar ausgerottet. Ein Vertreter dieser gefährdeten Gruppe ist das Europäische Mufflon (Ovis orientalis musimon). Das korsische Wildschaf mit den mächtigen, nach unten gebogenen Hörnern war einst in ganz Europa verbreitet und existiert heute nur noch auf Korsika (im Bavella-, Monte-Cinto- und Monte-Rotondo-Massiv) und auf Sardinien.

Mit etwas Glück bekommt man auf den Hochweiden in den Bergen auch noch verwilderte Hauspferde zu sehen (Touren 15 und 29).

Ganz anders das Wildschwein (Sus scrofa). Der bis zu 200 kg schwere Säuger ist das größte und meistverbreitete Wildtier Korsikas. Es durchstreift bevorzugt die niederen Waldregionen stets auf der Suche nach Futter und kreuzt sich gerne mit Hausschweinen, die auf Korsika ebenfalls in der freien Natur leben. Die Ergebnisse sehen zuweilen recht amüsant aus (vorne Haus-, hinten Wildschwein oder umgekehrt). Man trifft sie häufig in Suhllöchern am Straßenrand, wo sie gerne von vorbeifahrenden Touristen fotografiert werden. Jedoch ist Vorsicht geboten! Sie scheuen nicht davor zurück, auch mal erstaunlich flink in einen offenstehenden Kofferraum zu hüpfen, um ihn dann mit leidenschaftlichem Genuss gründlich nach Essbarem zu durchwühlen. Sie dabei zu stören, kann mitunter gefährlich werden.

Eine andere Gefahr geht von Kühen und Ziegen aus, die es sich bevorzugt in den Abendstunden auf dem noch wärmenden Asphalt gemütlich machen, was das Unfallrisiko deutlich erhöht.

Zu den größeren und selten gewordenen Landtieren gehört auch die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni). Das tagaktive Reptil lebt in der Macchie und in Waldregionen bis zu einer Höhe von 1.500 m. Um die Schildkröte zu schützen, wurden zwei wissenschaftliche Zuchtstationen im Gravona-Tal und im Asco-Tal eingerichtet (→ „Schildkröten auf Korsika“).

Ebenfalls zu den Reptilien gehört die weitverbreitete Tyrrhenische Mauereidechse (Podarcis tiliguerta), die in fast jeder Felsnische bis 1.800 m Höhe zu Hause ist. Umso erstaunlicher erscheint es, dass sie – wie auch die Ruineneidechse (Podarcis sicula campestris) – auf Korsika und Sardinien endemisch ist.

Bei den Amphibien ist der endemische Korsische Feuersalamander (Salamandra corsica) erwähnenswert. In mittleren und höheren Gebirgslagen ist er verstärkt an regnerischen Tagen in der Nähe von Gewässern zu sehen (Tour 31).

Die Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus) ist neben der Ringelnatter (Natrix natrix) die einzige Schlangenart, die auf Korsika lebt. Sie erreicht eine Länge von bis zu 180 cm und lebt bevorzugt auf steinigen Untergründen und in der Macchie. Sie ist ungiftig und für Menschen völlig ungefährlich. Zu ihren Leibspeisen zählen u. a. Eidechsen, die es auf Korsika zuhauf gibt. Ansonsten ist sie eher scheu, reagiert in Gefangenschaft jedoch aggressiv und beißt gerne zu, was ihr zu ihrem Namen verhalf.

Ein ebenfalls typischer korsischer Vertreter ist der Korsenkleiber (Sitta whiteheadi). Es gibt nur noch ca. 2.000 Brutpaare, die sich überwiegend in hochstämmigen Kiefernwäldern aufhalten. Sie sind etwas kleiner als ihre mitteleuropäischen Verwandten und haben einen kürzeren Schnabel. Ebenfalls selten geworden sind Fischadler (Pandion haliaetus), Steinadler (Aquila chrysaetos) und Bartgeier (Gypaetus barbatus). Weitverbreitet sind dagegen Möwen an den Küsten und Dohlen im Hochgebirge. 

Ausrüstung und Verpflegung

 Ausrüstung: Die richtige Bekleidung ist wichtig, um die Wanderungen auch genießen und ohne Schaden überstehen zu können. Das fängt beim Schuhwerk an: Grundsätzlich sind knöchelhohe Wanderstiefel besser geeignet als Halbschuhe, denn sie reduzieren die Umknick-Gefahr. Für Bachquerungen empfehlen sich Schuhe mit Klimamembran. Für ★/★★-Touren genügen Leichtwanderstiefel. Bei den ★★★/★★★★-Touren sollten es schon Trekking- oder Bergschuhe sein. Um Blasen zu vermeiden, sind spezielle Wandersocken hilfreich. Sie sollten jedoch bereits getragen sein, genauso wie die Schuhe.

Bei Hosen bewähren sich Zipphosen mit zusätzlichen längs verlaufenden Reißverschlüssen. Sie haben den Vorteil, dass man sie je nach Gelände und Witterung schnell an- und ausziehen kann, ohne die Wanderschuhe ausziehen zu müssen. Lange Beinkleider schützen v. a. vor stacheligem Buschwerk, von dem es auf Korsika genügend gibt. Leicht trocknende Funktionskleidung ist grundsätzlich Baumwolle vorzuziehen. Vor allem im Hochgebirge schadet eine Fleecehose ebenfalls nicht. Selbst im Hochsommer ist immer mit heftigen Wetterstürzen zu rechnen (→ „Wetter und Wandersaison“). Das Gleiche gilt für einen zusätzlichen warmen Pulli sowie leichte Regenkleidung im Gepäck. Von Schirmen ist absolut abzuraten wegen akuter Blitzeinschlaggefahr. Kopfbedeckung und Sonnenbrille sind besonders bei schattenlosen Touren dringend zu empfehlen. In großen Höhen ist Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor unerlässlich. Bei vielen beschriebenen Wanderungen bestehen Bademöglichkeiten in den Flüssen und im Meer (Touren 1, 6, 12, 22, 25, 26, 30 und 35).

Wanderstöcke können sehr nützlich sein. Das hat nichts mit Nordic Walking zu tun; gerade bei den Abstiegen dämpfen sie Stöße und schonen die Kniegelenke. Es gibt sie dreiteilig zum Zusammenschieben – so passen sie in bzw. an jeden Rucksack.

Eine kleine Halogen- oder LED-Lampe mit Blinkfunktion kann im Notfall hilfreich sein, ebenso eine Trillerpfeife. Auch die Mitnahme von Mobiltelefon und GPS-Gerät ist empfehlenswert, falls aufgrund eines Wetterwechsels (z. B. bei plötzlich aufkommendem Nebel) die Orientierung verlorengeht. Geeignete Landkarten (→ „Tourplanung und -durchführung“) gehören auch in den Rucksack. Für den Ernstfall sollte außerdem immer ein Erste-Hilfe-Päckchen im Rucksack liegen. Eher für die entspannten Momente sind Foto und Fernglas gedacht. 

 Verpflegung: Das wichtigste Grundnahrungsmittel ist Wasser (gerne auch Apfelschorle). Bei Tagestouren ohne Nachfüllquelle auf dem Weg gelten 2–3 Liter pro Person als Richtwert. Handelsübliche PET-Flaschen sind in felsigem Gelände besser als die weitverbreiteten Aluflaschen, weil sie leicht und v. a. elastisch und bruchsicher sind. Nahrhafte (kohlehydratreiche) und trotzdem leichte Kost (Vollkornbrot mit Käse, Müsli-/Schokoriegel, Nüsse, Reiswaffeln, Kekse) unterstützen den Energiehaushalt beim Wandern. Alkohol geht dagegen gar nicht. Bei einigen Touren kommt man an bewirtschafteten Bergerien oder Hütten vorbei, wo man einkehren kann (Touren 1, 7, 10, 11, 13, 14, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 30, 32 und 33). 

Notfall und Notfallnummern

 Das Mobilfunknetz ist an der Küste grundsätzlich gut. In den Bergen wird es eher schwierig – am besten ist der Empfang noch auf den Gipfeln oder mit direktem Blick auf die Küsten. Falls Sie keinen Empfang mit dem Handy haben, versuchen Sie zunächst den Standort zu wechseln. Sollten Sie immer noch in einem Funkloch stehen, können Sie das alpine Notsignal absetzen. Hierzu setzt ein in Not geratener Wanderer innerhalb einer Minute sechsmal das gleiche akustische (z. B. rufen, klopfen, Trillerpfeife) oder optische (z. B. Taschenlampe, Sonnenspiegel) Signal ab und wiederholt es nach einer Minute Pause. So lange wiederholen, bis eine Antwort (drei Signale pro Minute) erfolgt.

Bei Sichtkontakt (z. B. zu einem Helikopter) gelten folgende optische Notsignale, die mit dem Körper oder auf dem Boden (z. B. Steine, Äste, Kleidungsstücke) dargestellt werden können:

„Y“ – Ich brauche Hilfe!: Beide Arme in die Luft, sodass ein „Y“ für Yes (Ja) gebildet wird.

„N“ – Alles in Ordnung!: Ein Arm hoch, einer runter, sodass ein „N“ für No (Nein) gebildet wird.

„I“ – Ich bin ernsthaft verletzt!: Als Zeichen auf dem Boden darstellen.

„V“ – Ich brauche dringend Hilfe!: Als Zeichen auf dem Boden darstellen.

„X“ – Ich brauche medizinischen Beistand!: Als Zeichen auf dem Boden darstellen. 

► Krankenhäuser:

Ajaccio

Centre Hospitalier Départemental de Castelluccio, Rue Saint-Antoine, Tel. 04.95.29.36.36.

Centre Hospitalier Notre-Dame de la Miséricorde, 27 Avenue Impératrice Eugénie, Tel. 04.95.29.90.90.

Bastia

Centre Hospitalier General Paese Nouvo, Route Imperiale, Tel. 04.95.​59.11.11.

Bonifacio

Hôpital de Bonifacio, Lieu-dit Valle, Tel. 04.95.73.95.73.

Corte

Centre Hospitalier Intercommunal, Avenue du 9 Septembre, Tel. 04.95.​45.05.00.

Porto-Vecchio

Hôpital de Porto-Vecchio, HLM Pifano, Tel. 04.95.70.01.11.

Sartène

Hôpital de Sartène, Route de Grossa, Lieu-dit Cacciabeddu, Tel. 04.95.​77.​95.00. 

► Deutschsprachige Ärzte:

Ajaccio

Allgemeinmedizin: Dr. Thierry Lesueur, 6 Av. Marechal Moncey, Tel. 04.​95.​20.​18.79.

Calvi

Allgemeinmedizin: Dr. Michel Fade, Résidence Madona di a Serra, Super U, Tel. 04.95.65.03.20.

Porto-Vecchio

Allgemeinmedizin: Dr. Pierre Ciabrini, Rue Commandant Quilici, Villa Jeanette/Quartier Poreta, Tel. 04.95.70.18.10.

HNO: Dr. Jean-Guirec Arnaud, Route Bastia, Centre Commercial U Centru, Tel. 04.95.70.25.04. 

Tourplanung und -durchführung

Für die Planung und Durchführung einer Wanderung ist es von Vorteil, wenn man sein eigenes Leistungsvermögen realistisch einschätzt. Dazu gehört auch, dass man sich nicht gleich am ersten Tag nach der Ankunft auf der Insel an den schwierigen 2.000er-Gipfeln zu schaffen macht, sondern es eher gemächlich angehen lässt und dem Körper die Chance zur Akklimatisierung gibt.

Die bei den Tourenbeschreibungen angegebenen Wanderzeiten sind reine Gehzeiten ohne Pausen und daher als Richtwerte zu betrachten. Das heißt erfahrungsgemäß, dass die Touren wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen werden. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus beim Laufen und für Pausen – auch beim Fotografieren.

► Standorte: Auf Korsika gibt es durchaus Standorte, die strategisch sinnvoll sind als Basis und Ausgangspunkt für mehrere Wanderungen.

Im Norden lässt sich das Cap Corse von San-Martino-di-Lota aus gut erkunden (Touren 1, 2 und 3). Der Ort liegt abseits der großen Touristenströme oberhalb von Pietranera mitten im Streckenabschnitt der Küstenstraße Corniche du Cap Corse, einer der landschaftlich schönsten und bewaldetsten Regionen am Cap Corse. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Bastia bietet sich San-Martino-di-Lota auch gut an für die erste Nacht nach einer späten Fährankunft oder vor einer frühmorgendlichen Fährabfahrt.

Um nach Campodonico (Tour 4) in der Castagniccia zu gelangen, nähert man sich am besten über die D 71. Im Zentrum der Insel ist der Eisenbahnverkehrsknotenpunkt Ponte-Leccia am geeignetsten. An der Ostküste startet man am besten von der alten Königsresidenz Cervione oder den bekannten Badeorten Moriani-Plage oder Prunete. Von hier aus sind auch die beiden in der südlichen Castagniccia gelegenen Touren 5 und 6 schnell erreicht.

Calenzana liegt in der Balagne und ist voll auf Wanderer eingestellt (Touren 7 bis 10). Das gilt für Unterkünfte und Einkaufsmöglichkeiten. Denn der Ort ist Ausgangs- bzw. Endpunkt für die berühmte Korsikadurchquerung auf dem GR 20.

Im Zentrum ist Corte der ideale Standort (Touren 11 bis 14). Die ehemalige Haupt- und einzige Studentenstadt verfügt über eine hervorragende Infrastruktur hinsichtlich Verkehrsanbindungen, Unterkünften und Einkaufsmöglichkeiten. Entlang der Hauptgeschäftsstraße Cours Paoli gibt es einige sehr gute Geschäfte für Wanderbekleidung, -ausrüstung, -literatur und -karten.

Wer sich den Monte Cinto (Tour 16) an einem Tag vornehmen will, muss früh auf Achse sein. Da bietet sich eine Übernachtung am Vorabend in Calacuccia, dem Hauptort der Niolo-Hochebene, an. Von dort erreicht man auch bestens die Wanderungen ins Niolo-Gebiet (Touren 15, 17) samt der Zwei-Tage-Tour auf den Monte Rotondo (Tour 14).

Im Westen gilt der Bergort Evisa am Tor in die Spelunca-Schlucht als Hochburg der Wanderer (Tour 20). Hier kreuzen sich gleich zwei berühmte Höhenwanderwege: der Mare e Monti und der Mare a Mare Nord. Dementsprechend hat sich auch hier die Infrastruktur entwickelt. Aber auch Porto direkt an der Küste hat seine landschaftlichen Reize und liegt strategisch ideal (Touren 18, 19, 21, 22, 23, 26 und 27). Corte mit seiner hervorragenden infrastrukturellen Anbindung über Straße (N 193) und Bahn, aber auch die gewachsenen Bergdörfer Ghisoni und Vizzavona sind geeignete Ausgangspunkte für drei nah beieinanderliegende Wanderungen im Hinterland (Touren 24 und 25).

Im Süden ist Zonza ein hübsches Bergdorf und ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, von dem aus Straßen in alle vier Himmelsrichtungen abgehen (Touren 31 bis 33). Bonifacio zählt zu den schönsten Orten Frankreichs. Allein schon deshalb eignet sich Frankreichs südlichstes Städtchen als Ausgangspunkt für Wanderungen im äußersten Süden (Touren 34 und 35).

 Wege und ihre Markierungen: Die im Buch beschriebenen Wanderwege sind überwiegend gut markiert. Sie bedürfen allerdings einer permanenten Instandhaltung durch die Parkverwaltung, was manchmal auch etwas länger dauern kann. Das heißt, dass mancherorts die Markierungen verblassen und der Wanderer schon mal genauer hinschauen muss. In solchen Fällen helfen zusätzliche Steinmännchen.

Unter Wanderern ist es üblich, dass jeder selbst Steinmännchen bei unklarem Wegverlauf setzt, um seinen Nachfolgern die Orientierung zu erleichtern. Doch Vorsicht! Manchmal ist es auch des Guten zu viel oder mehrere Wanderwege kreuzen sich, und man wird von den Steinmännchen auf die falsche Fährte gelockt. Wer jedoch die einfachste Grundregel beachtet, sich erst von einer bereits erreichten Markierung zu entfernen, wenn man die nächste erblickt hat, wird sich nicht verirren und wohlbehalten ans Ziel kommen. 

 Touristeninformation von zu Hause aus: Informationen über Frankreich, aber auch speziell über Korsika bekommt man über die französische Zentrale für Tourismus ATOUT FRANCE (ehem. Maison de la France), die u. a. in Deutschland, der Schweiz und Österreich vertreten ist.

ATOUT FRANCE in Deutschland

60001 Frankfurt a. M., Postfach 100128, info.de@rendezvousenfrance.com.

In der Schweiz

8001 Zürich, Rennweg 42, Tel. 004144-2174600, info.ch@atout-france.fr.

In Österreich

1010 Wien, Tel. 00431-5032892, info.at@​france.​fr.

Die offizielle Webseite von ATOUT FRANCE www.rendezvousenfrance.com in deutscher Sprache verschafft einen ersten Überblick. Hier können ebenfalls Broschüren bestellt werden.

Auf der offiziellen Webseite der korsischen Tourismuszentrale (Agence du Tourisme de la Corse) www.visit-corsica.com lassen sich Broschüren anfordern und auch Buchungen vornehmen (auf Deutsch). 

 Touristeninformation vor Ort: Die sog. Offices de Tourisme in den größeren Städten sind die offiziellen Büros, die meist allgemeine und standardisierte Informationen für die jeweiligen Wanderregionen bereithalten. Die sog. Syndicats d’Initiative in den kleineren Orten punkten dagegen mit individuellen und regionalen Informationen.

Norden

Bastia: Office de Tourisme de l’Agglomération de Bastia, Rue José Luccioni, Tel. 04.95.54.20.40, Fax. 04.95.​54.20.41, www.bastia-tourisme.com, Mo–Sa 8–18 Uhr, So 8–13 und 15–19 Uhr.

Calvi: Office de Tourisme de Calvi, Port de Plaisance – BP 97, Tel. 04.95.​65.16.67, Fax. 04.95.65.14.09, www.balagne-corsica.com, Okt. bis März Mo–Fr 9–12 und 14–18 Uhr, April zusätzl. Sa 9–12 und 14–18 Uhr, Mai/​Juni/​Sept. zusätzl. So 10–13 Uhr, Juli/Aug. Mo–Sa 9–12.30 und 15–18.30 Uhr, So 9–13 Uhr.

Piedicroce: Syndicat d’Initiative de la Castagniccia, Maison des entreprises, Tel. 04.95.33.38.21, www.castagniccia.fr, si.castagniccia@wanadoo.fr, Okt. bis Febr. Mo–Fr 9–16 Uhr, März–Mai Mo–Sa 9–16 Uhr, Juni bis Sept. Mo–Fr 9–18 und Sa/So bis 16 Uhr.

Zentrum

Corte: Office de Tourisme Centru di Corsica, La Citadelle, Tel. 04.95.46.26.70, Fax. 04.95.46.34.05, www.corte-tourisme.com, Okt. bis Mai Mo–Fr 9–12 und 13.30–17.30 Uhr, So/Fei 10–13 Uhr, Juni Mo–Fr 9–18 Uhr, So/Fei 10–13 Uhr, Juli/Aug. Mo–Sa 9–18 Uhr, So/Fei 10–13 Uhr, Sept. Mo–Fr 9–18 Uhr

Calacuccia: Office de Tourisme du Niolu, Route de Cuccia, Tel. 04.95.48.​05.22, Fax. 04.95.48.08.80, www.office-tourisme-niolu.com, Sept. bis Juni Mo–Fr 9–12 und 14–18 Uhr, Juli/Aug. auch Sa/So.

Westen

Ajaccio: Ajaccio Tourist Office, 3 Boulevard du Roi Jérôme – BP 21, Tel. 04.95.51.53.03, Fax. 04.​95.​51.​53.01, www.ajaccio-tourisme.com, Juli/​Aug. Mo–Sa 8–20 Uhr, So 9–13 und 16–19 Uhr, Fei 9–12.30 und 14.30–18 Uhr, Sept./​Okt. und April bis Juni Mo–Sa 8–19 Uhr, So 9–13 Uhr, Fei 9–12.30 und 14.30–18 Uhr, Nov. bis März Mo–Fr 8–12.30 und 14–18 Uhr, Sa 8.30–12.30 und 14–17 Uhr.

Porto: Office Municipal de Tourisme d’Ota Porto, Quartier la Marine, Porto–Commune d’Ota, Tel. 04.95.​26.​10.​55, Fax. 04.95.26.14.25, www.porto-tourisme.com, Mai bis Mitte Juni und Mitte Sept. bis Ende Sept. Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa bis 16 und So bis 13 Uhr (außer Mai), Mitte Juni bis Mitte Sept. Mo–Sa 9–19 Uhr, So/Fei bis 13 Uhr, Okt. bis April Mo–Fr 9–17 Uhr, Sa bis 13 Uhr.

Süden

Propriano: Office de Tourisme Intercommunal du Sartenais Valinco Taravo, Port de Plaisance, Tel. 04.95.76.01.​49, Fax. 04.95.76.00.65, www.lacorsedesorigines.com, Sept. bis Juni Mo–Fr 8.30–12 und 14.30–18.30 Uhr, Juli/Aug. Mo–So 8–20 Uhr.

Porto-Vecchio: Office Municipal de Tourisme Porto-Vecchio, Rue Maré​chal Leclerc, Tel. 04.​95.​70.​09.​58, Fax. 04.95.​70.03.72, www.ot-portovecchio.com, Juli/​Aug. tägl. 9–20 Uhr, Sept. bis Juni Mo–Fr 9–12 und 14–18 Uhr. 

 Bus: Es gibt keine staatlichen oder regionalen Busverbände auf Korsika. Die großen Strecken werden von privaten Unternehmen betrieben, z. B. Eurocorse, Les Rapides Bleus, Beaux-Voyages, Transport Santini und SAIB. Deshalb gibt es auch keinen Gesamtfahrplan für die Insel, sondern nur Übersichtslisten der einzelnen Busunternehmen, die teilweise in den Touristenbüros ausliegen.

Im Gare Maritime et Routière (Busbahnhof am Hafen) in Ajaccio und im Gare Routière (Busbahnhof) in Bastia haben alle Anbieter Schalter, ähnlich wie die Fluggesellschaften an den Flughäfen. Dort erhält man alle Informationen mit Preisen und Zeiten.

Das Internet bietet ebenfalls ein privat betriebenes Portal, das sämtliche Busfahrpläne enthält (allerdings ohne Gewähr): www.corsicabus.org

 Bahn: Es gibt nur zwei Bahnstrecken auf Korsika. Sie sehen auf der Karte wie ein „Y“ aus: Bastia–Ponte-Leccia–Ajaccio und Ponte-Leccia–Calvi. Die aktuellen Fahrpläne gibt es als Faltblätter in den Bahnhöfen oder im Internet unter www.ter-sncf.com, www.train-corse.com oder www.corsicabus.org.

 Spezielle Internetseiten für Korsika-Wanderer:

www.visit-corsica.com: offizielle Homepage der Agence du Tourisme de la Corse (auch auf Deutsch).

www.franceguide.com: offizielle Homepage der französischen Zentrale für Tourismus (ehem. Maison de la France) in Deutschland, Österreich und der Schweiz (auf Deutsch).

www.hebergement-corse.com: Übersicht zahlreicher Unterkünfte wie B&Bs (Übernachtung mit Frühstück), Gîtes (Herberge) und Chambres d’hôtes (Gästezimmer), nach Regionen gegliedert (nur Französisch).

www.abenteuer-corsica.de: kommerzieller Veranstalter von Wanderungen quer über die ganze Insel (auf Deutsch).

www.korsikawandern.de: Ronny Wettering aus Deutschland lebt auf Korsika und kennt sich hervorragend in den Bergen aus. Er bietet Ferienwohnungen und selbstgeführte Wanderungen abseits der üblichen Routen an (auf Deutsch).

www.paradisu.ch: private Webseite mit hilfreichen Infos vom Korsikakenner Martin Lendi.

www.korsika-forum.info: sehr aktives, privates Forum, das nahezu keine Frage unbeantwortet lässt.

www.bike-and-smile.de: Wer die Kombination aus Motorradfahren und Wandern schätzt, wird auf der Homepage des Autors gut bedient. ■

 Straßen-, Land- und Wanderkarten: Neben der inhaltlichen Qualität spielt auch der persönliche Eindruck eine Rolle bei der Auswahl der richtigen Karten. Die nachfolgende Übersicht trifft den Geschmack des Autors am besten.

Maßstab 1:200.000: Das Blatt Nr. 528 „Korsika“ aus der Reihe „Michelin regional“ bietet eine gute Übersicht über die ganze Insel und ist als Straßenkarte sehr gut geeignet.

Maßstab 1:100.000: Wer es etwas genauer wissen will, liegt mit den Karten des Institut Géographique National (IGN) Nr. 175 „Bastia – Corte“ und Nr. 176 „Ajaccio – Bonifacio“ richtig. Auf zwei Karten ist die ganze Insel abgebildet.

Maßstab 1:60.000: Die zwei Karten aus dem LIBRIS Verlag Editions Didier Richard Nr. 08 „Haute Corse“ und Nr. 09 „Corse-du-Süd“ beinhalten bereits eingezeichnete Wanderungen mit Höhenlinien und sind für den Einsatz im Gelände geeignet. Leider fehlen Teile der Küstenregion und das Cap Corse komplett.

Maßstab 1:25.000: Das High End für jeden Wanderer. Die IGN-Karten „Carte de randonnée“ bieten die detailliertesten Informationen. Um die gesamte Insel abzudecken, sind jedoch 19 Karten erforderlich. 

 Literaturtipps: Schmid, Marcus X.: Korsika. Michael Müller Verlag, 11. Auflage 2015. Der Autor ist ein hervorragender Kenner Korsikas und wartet mit Insider-Informationen und Geschichten auf, die man in anderen Reiseführern vergeblich sucht.

Kautzky, Johannes: Korsika, Sardinien. Tecklenborg Verlag, 2. Auflage 2007. In seinem Naturreiseführer geht der studierte Biologe besonders auf die Geologie, Fauna und Flora in ausgewählten und genau beschriebenen Touren ein.

Kuhlemann, Joachim, Frisch, Wolfgang und Meschede, Martin: Korsika. Sammlung geologischer Führer. Borntraeger Verlag, 1. Auflage 2009. Der schon fast wissenschaftliche geologische Führer beschreibt in 99 Exkursionen in 14 Regionen sehr genau die jeweiligen geologischen Besonderheiten.

Schönfelder, Ingrid und Peter: Was blüht am Mittelmeer? Mittelmeerpflanzen nach Farbe bestimmen. Kosmos Verlag, 5. Auflage 2014. Im reich bebilderten Naturführer kann man über 500 Pflanzenarten nachschlagen und so auf den Wanderungen bestimmen. 

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