Orientiert in Lübeck

Stadt und Stadt­viertel
Die Altstadtinsel

Lübecks Herzstück und touristisches Zentrum ist die von Backsteinarchitek­tur geprägte Altstadt. Sie liegt auf ei­nem Hügel, der inselartig von Trave und Wakenitz umflossen wird. Nach dem dritten Stadtbrand von 1276 hatte der Rat die feuerfesten Ziegelsteine zum Baumaterial der Stunde erhoben – das „Haupt der Hanse“ wurde zu einer Großbaustelle des Mittelalters. Dabei galt das mittel­alterliche Fisch­grä­ten­mus­ter der Straßen als gera­dezu per­fekt um­gesetzt. Der Stadthü­gel wurde von ei­ner Haupt­ver­kehrs­ader in nord-süd­licher Richtung vom Burg- zum Müh­len­tor (heute Gro­ße Burg­stra­ße, Kö­nig­straße und Müh­len­stra­ße) durch­zogen, Gru­ben und Twieten bil­de­ten die davon ab­zwei­gen­den Seiten­arme. Der Ratserlass aus dem 13. Jh. bewähr­te sich bis 1942, als 240 englische Flieger die gefähr­lichen Phosphorbomben auf Lü­beck warfen. Es sollte der einzige An­griff dieser Art auf Lübeck bleiben, weshalb vier Fünftel (!) der mittel­al­ter­li­chen Bau­substanz noch er­halten und 1000 Alt­stadt­häuser im klei­nen, sehr fei­nen Zentrum denkmal­ge­schützt sind.

Wer das verzweigte System aus engen Gassen und schönen Höfen betritt, be­gibt sich auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte: Romanik, Gotik, Renais­sance, Barock, Rokoko und Klassi­zis­mus befinden sich Tür an Tür. Es ist nicht zuletzt dieser Stilmix auf engs­tem Raum, der den Zauber von Lübeck ausmacht. Den Altstadtauftakt bildet das spätgotische Holstentor, das viel­leicht bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Die imposante Marienkirche könn­te diesen Titel ebenso beanspru­chen, gefolgt vom Buddenbrookhaus und dem brandneuen Europäischen Han­semuseum. Doch auch die Pracht­fas­sa­den an den kleinen Sträß­chen sind welt­weit ein­zig­artig. Nicht um­sonst wurden weite Teile des 1,2 mal 1,7 km großen Zentrums mit sei­nem Sieben-Türme-Ensemble (das man heute nur noch von oben gut se­hen kann) als UNESCO-Welt­kul­tur­erbe aus­ge­zeich­net.

An Trave und Wakenitz

Um die Altstadt herum bis zum Meer gruppieren sich neun wei­tere Stadt­teile: im Uhr­zei­ger­sinn sind das St. Ger­trud, St. Jürgen, Moisling, Bunte­kuh, St. Lorenz Süd und Nord; Rich­tung Lü­be­cker Bucht an der Trave ent­lang ziehen sich Schlutup und Kücknitz, und last, not least, be­rührt Lü­beck mit Tra­ve­münde die Ostsee. Ne­ben Altstadt und Seebad sind vor al­lem die Quartiere rund um die zwei Stadtflüsse span­nend. Während sich die 124 km lange Trave in west-östli­cher Richtung zum Meer hinschlängelt, windet sich die gerade mal 15 km lange Wakenitz nach Südosten. Die Trave, durch die früher die großen Handels­schiffe zur Altstadt fuhren, kommt da­bei an Gothmund, einem kleinen Fischer­dorf, und am Na­turschutzgebiet Dum­mers­dorfer Ufer in Kücknitz vor­bei, wo in geringer Ent­fernung ein faszi­nierendes Groß­stein­grab zu sehen ist. In Schlutup verlief die Zonengrenze zur DDR, woran ein aufschlussreiches Museum erinnert – Lübeck war die nörd­lichste Grenzstadt der Republik. Der „Ama­zonas des Nor­dens“, die Wake­nitz, mün­det im Ratze­burger See und pas­siert St. Gertrud und St. Jürgen, beliebte Wohngegenden der Hanse­stadt.

Der Stadtrand

In St. Gertrud liegt z. B. das Brahms-Insti­tut in einer hervorragend res­tau­rier­ten Villa: ein guter Ort für die welt­weit größte private Brahms-Samm­lung. In St. Jürgen, dem größten Lü­be­cker Stadtteil, befindet sich eine kleine Oase der Erholung, wenn man vom Back­steinmeer der Altstadt einmal genug haben sollte: Lübecker Schul­gar­ten klingt zwar etwas bieder, die Anlage ist jedoch sehr schön aufge­macht und mit lauschigen Plätzen ver­se­hen. Moisling wiederum, ein et­was vernachlässigter Stadtteil im Wes­ten, ist unauslöschlich mit der Ge­schichte der Lübecker Juden verknüpft. Dort stößt man auf den größten israeliti­schen Friedhof von Schleswig-Hol­stein, mit über 1000 Grabsteinen.

Lübeck am Meer

20 km nördlich der Altstadt und damit di­rekt an der Ostsee liegt Travemünde, Lübecks Außenposten am Meer. Dank der Infrastruktur und Lage des Ostsee­heil­bads in der Lübecker Bucht wähnt man sich beinahe in einem Vorort bzw. einer eigenständigen Stadt: Es gibt ei­nige maritime Sehenswürdigkeiten, sehr gute Restaurants und nicht ganz güns­tige Unterkünfte. Besuchenswert sind hier vor allem das sympathische See­bad­mu­seum oder die Pas­sat, ei­ner der letzten Groß­seg­ler, der Fahrten zu anderen Kon­ti­nen­ten unternommen hat. Außer­dem kann man auf dem Pri­wall­strand bis nach Mecklenburg-Vor­pom­mern lau­fen, im Strand­korb ent­span­nen, das Brodte­ner Steil­ufer er­klim­men – und selbst­ver­ständ­lich ins Wasser hüpfen.

Back
Cookies help us deliver our services. By using our services, you agree to our use of cookies. Learn more