Orientiert in Lissabon

Sieben Hügel sollt ihr sein

In Lissa­bon gibt’s, pointiert aus­ge­drückt, nur zwei Richtungen: bergauf und bergab. Das erfordert Kondition, hat aber den reizvollen Ne­ben­effekt, dass man immer wieder mit prächtigen Aus­blicken auf das rote Dächer­laby­rinth der Stadt belohnt wird. Auf wie vielen Hügeln sich dieses Labyrinth ausbreitet, darüber besteht in Lissa­bon „heilige“ Einig­keit: Sieben sollen es sein, eine Zahl mit fast mythischem Nach­hall – Rom lässt grüßen. Legt man die puren Fakten zugrunde, kommt man auf mehr als zwanzig Stadt­hügel, pro­mi­nentester (und offi­zieller Mit­tel­punkt der Stadt) ist der Burg­hügel.

Kleine Stadt, große Gefühle

Die puren Fakten sind es auch, die Lis­s­a­bon als eine der kleinsten Haupt­städte Eu­ropas ausweisen. Das betrifft so­wohl die Fläche (ca. 100 km², Berlin z. B. rangiert bei 892 km²) als auch die Ein­woh­ner­zahl (gut 510.000). Gefühlt lie­gen die Dinge aller­dings an­ders: Da Lis­sa­bon prak­tisch in alle Rich­tungen na­hezu naht­los in sei­ne Vor­orte über­geht, kommt einem das Stadt­gebiet grö­ßer vor, als es in Wahr­heit ist. Hinzu kommt die im­men­se Be­völ­ke­rungs­dich­te, die mit ca. 5100 Ein­wohnern je Quadratkilometer so­gar die einer Me­tro­pole wie Berlin in den Schat­ten stellt.

Alte Viertel zuhauf

Wer eine Stadt besucht, freut sich meist be­sonders auf ihr historisches Zentrum, denn das steht für Atmosphäre und Flair. In Lissabon ist man da in einer kom­fortablen Lage: Alte Viertel gibt es zu­hauf – so viele, dass man gar nicht von der Altstadt spre­chen kann. Am ehes­ten trifft die Be­zeich­nung noch auf die süd­lich des Burg­bergs gelegene Al­fa­ma zu. Man kann sich dort im Laby­rinth der Gässchen herr­lich ver­lieren – für mich immer noch eines der schöns­ten Er­leb­nisse, wenn ich in der Stadt bin.

Nördlich der Burg liegt das alte Mau­renviertel Mou­ra­ria, das trotz ei­niger Fort­schritte in den letzten Jahren ein von so­zia­len Proble­men ge­präg­ter Stadt­teil ge­blie­ben ist. Da­ge­gen ist die nord­öst­lich der Burg ge­le­gene Graça bei vie­len Lis­sa­bon­nern als an­ge­neh­mes Wohn­vier­tel be­liebt.

Unter- und Oberstadt

Westlich der Burg er­streckt sich in einem Tal die vergleichsweise jun­ge Unter­stadt, die Baixa Pom­balina, kurz Baixa ge­nannt. Sie wurde nach dem ver­hee­ren­den Erdbeben von 1755 plan­mä­ßig wie­der­aufgebaut und gilt heute als ein­zig­ar­ti­ges Dokument der Archi­tek­tur des 18. Jh.

Noch weiter westlich folgt an einer Anhöhe der Chiado, ein kleines, sehr freund­liches Stadt­vier­tel. Auf dem nächs­ten Hügel liegt die Ober­stadt, das Bairro Alto, dessen Ur­sprünge bis ins 16. Jh. zurückreichen. Heute ist es Lis­sa­bons Nacht­leben­viertel schlechthin.

An das Bairro Alto schließt sich die Ma­dragoa an, ein von engen Gassen ge­prägtes ehemaliges Fischerviertel aus dem 17. Jh. Im Vergleich zur Alfa­ma, der Baixa oder dem Bairro Alto liegt die Madragoa noch ein wenig im tou­ris­tischen Abseits und wirkt ent­spre­chend ur­sprüng­licher. Zusam­men mit dem aris­to­kra­tischen Nach­bar­stadtteil Lapa ist sie mein Lieb­lingsviertel.

Viele Zentren, eine zentrale Achse

Genau so wenig, wie es die Altstadt gibt, gibt es in Lissabon das Zentrum. Drei Plätze könnte man als ein solches bezeichnen: die Praça do Comércio am Südende der Unterstadt, den Rossio am Nordende der Unterstadt und die Praça Marquês Pombal, das Verkehrszentrum der Stadt knapp zwei Kilometer weiter nördlich. Alle drei Plätze werden von einer zentralen Achse verbunden, die sich über die Unterstadt und die „Lissa­bonner Champs-Élysées“, die Pracht­allee Avenida da Liberdade, erstreckt.

Am Rand der Stadt

Etwa sechs Kilometer weiter westlich am Stadtrand liegt Belém. Von hier aus ist bereits die Mündung des Tejo in den Atlantik zu sehen. Belém ist ein grünes Viertel, das immer noch ein wenig Vor­ortcharakter ausstrahlt, obwohl es bereits 1885 eingemeindet wurde. Den­noch gibt es hier eine beachtliche Fülle von Sehenswürdigkeiten, darunter so­gar die berühmteste der ganzen Stadt: das Kloster Mosteiro dos Jeró­nimos.

Der Norden und Osten der Stadt wird von sterilen Wohnblocks geprägt und ist touristisch weitgehend un­in­teres­sant. Mit einer Ausnahme: Ganz im Osten ist auf dem ehemaligen Gelände der Welt­aus­stellung von 1998 der Par­que das Nações entstanden. Hier am Tejo­ufer liegt inzwischen Lissabons jün­gster Stadt­teil, der aufgrund seiner mo­der­nen Architektur und des spekta­ku­lären Meeresaquariums einen Be­such lohnt.

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