Oktoberfest

Die großen Zelte

Zelte? Was da jedes Jahr ab Mitte Juli auf der Theresienwiese aufgebaut wird, hat mit einem Zelt in etwa noch ge­nau­so viel zu tun wie ein Kölsch-Glä­schen mit einem Maßkrug. Die Paläste der Wiesn­wirte können eine bis zu fünf­stellige Menschenmenge bewirten, und das klappt auch noch: Hinter der bierseligen Dekoration mit Hopfenran­ken, Trach­ten­ornamenten und Blaska­pelle werkelt eine hocheffiziente Logis­tik, die die Ver­sor­gung mit Unmengen von Bier und Hendln tatsächlich sicher­stellen kann. Dahinter steckt na­tür­lich jahr­zehn­te­lan­ge Erfahrung und freilich auch ein mas­sives Profitstre­ben – man munkelt von ei­nem Reingewinn jenseits der Mil­lionen­grenze. Pro Zelt, versteht sich. Das liegt ganz maß­geb­lich daran, dass alle diese fliegenden Bau­ten be­ständig gut gefüllt sind, an Spitzenta­gen, das sind auf jeden Fall die Sams­tage und der Tag der Deut­schen Ein­heit, ist schon wenige Mi­nu­ten nach Öff­nung auch gleich wieder wegen Überfüllung geschlossen. Tricks, an den so robusten wie rustikalen Si­cher­heitsdiensten dann noch vor­bei­zu­kom­men, gibt es nicht, es sei denn, man kommt mit einer Reservierung. Die aber wird nur für 10 Personen und einen Mindestumsatz von mehreren Hun­dert Euro gewährt, und außerdem ist da meist schon im Frühling alles weg.

Die kleinen Zelte

Spät­estens um 18 Uhr, wenn das Mu­sik­programm der Bands in den Groß­zelten von traditioneller Blasmu­sik auf Partymucke umschaltet, ist es mit dem gemütlichen Sitzen vor der Maß Bier vorbei. Nicht jeder steht aber gerne auf den Bänken und schmettert den ak­tuellen Wiesnhit stimmsicher in die Runde. Gesetzte Naturen zieht es dann eher in die kleineren Biertempel, wo man auch auf überraschend hohem ku­li­narischen Niveau essen kann, und manchmal gibt es sogar noch etwas an­deres zu trinken als Bier.

Überhaupt: Das Bier

Das Blut in den Adern des Oktoberfests. Die Münchner Brauereien heizen für die Wiesn die Kessel noch einmal extra an und brauen einen Sud, dessen Alko­hol­gehalt noch ein paar deutliche Zehn­telprozentpunkte über dem Mün­ch­ner Standardgetränk, dem Hel­len, liegt. Nicht, dass da noch einer nüch­tern nach Hause geht. Welches von den Gebräuen nun das beste ist, bleibt so umstritten wie egal, Biersomme­liers fachsimpeln hier eher nicht. Auf jeden Fall handelt es sich um Hopfenmanna aus dem Münchner Stadt­gebiet, das ge­bie­ten Tradition und profitables Mono­pol der sechs Münch­ner Großbrauer.

Die oide Wiesn

Nach gerade einmal zweihundert Jah­ren Festpraxis hatte sich nach Meinung der zahlenstarken Fraktion der kon­ser­va­tiven Festbesucher doch allzu viel Mo­dernität und Undahoamiges auf der Theresienwiese eingeschlichen, und so wurde ein kleines Areal abge­grenzt und als „Historisches Oktober­fest“ verkauft – so gut, dass die Tradi­tion gleich wie­der Tradition wurde. Als „oide“ (für nicht Dialektbewanderte: alte) Wiesn hat sich die etwas beruhig­tere Variante et­was abseits im Handum­drehen eta­bliert, und in zwei Festzelten mit den so anheimelnden wie passenden Na­men „Herzkasperl“ und „Tradition“ trinkt man noch wie frü­her aus dem Kefer­lo­her und wird zünftig von Blas­musik be­schallt. Dazu werden einige pit­to­res­ke Fahrgeschäfte auf­gebaut. Ein ver­gleichs­weise lächerli­cher Obo­lus für den Zutritt sorgt auch effektiv da­für, dass die Hard­core-Trinker drau­ßen blei­ben.

Die Attraktionen

Hartnäckig hält sich das böse Gerücht, dass auf die Wiesn nur ginge, wer sich be­saufen wolle. Das ist natürlich falsch, mancher trinkt auch erst drei Maß und fährt dann 5er-Looping, das intensi­viert die Erfahrung doch deutlich. Ge­ne­rell sind die Fahrgeschäfte aber nicht der ganz große Magenumdreher, da ha­ben die Freizeitparks mit ihren fest ins­tal­lierten Anlagen einfach die bes­seren Kar­ten. Was man da aber ver­geblich sucht, sind die echten Jahr­markts­klas­siker: Schadenfreude am To­boggan, Ro­man­tik in der Krinoline, sich im Teu­fels­rad zum Affen machen und den Floh­zirkus mit echten Insek­ten.

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