Michael Müller Verlag Logo
mmtravel | WEB-APP
München

Ausgehen

Glockenbach und Gärtnerplatz

Noch immer zehrt die Isarvorstadt vom Ruf des Schwulen- und Lesbendorados, aber in die richtig harten Läden wie den Ochsengarten, immerhin Deutschlands erster Darkroom, trauen sich dann doch die wenigsten. Ein stimmungsvoller Beginn ist die Dachterrasse des ansonsten eher bürgerlichen Hotels Deutsche Eiche, oder, wer nicht mit ganz leerem Magen in die Sause starten möchte, bei ein paar Tapas in der Loretta Bar. Dann wird ausgeschwärmt: Einige bleiben ein paar Häuser weiter im dauerkultigen Wolf hängen, wem dann schon das Geld ausgegangen ist, holt sich ein paar Bier am Reichenbachkiosk und setzt sich an schönen Abenden zu den 500 anderen auf den Gärtnerplatz und ärgert die Anwohner. Mit ordentlich Gel im Haar und dem Cabrio auf dem nicht vorhandenen Parkplatz landet man dann im Robinson’s oder einer der anderen Dutzend Bars, die genauso aussehen. Deutlich abgerockter ist das Holy Home an der nächsten Straßeneinmündung, deutlich schräger die immer noch schwer kultige Tanzbar Paradiso. Später, auch ganz viel später, wird dann noch im Pimpernel heftig getanzt.

Maxvorstadt

Beim Flanieren durch die Augusten-, Türken- und Amalienstraße stellt man fest, dass das ehemalige Studentenviertel doch ganz schön schnöselig geworden ist, einen Hauch von Anarchie vermitteln noch die BHs, die in der Bar Sehnsucht von der Decke baumeln. Diejenigen, die einen Zug nach Hause bekommen müssen, lassen sich noch im Kosmos kurz vor dem Bahnhof ein paar schnelle Astra die Kehle hinunterlaufen, die anderen tanzen dann schon in der Roten Sonne oder in der Sauna, und wenn die Kondition reicht und überall sonst das Putzlicht strahlt, feiern sich die letzten Nachtschwärmer auf der längsten Afterhour-Party der Stadt im Palais.

Altstadt

Sicher kein Zentrum des schillernden Undergrounds, aber hier fallen auch nicht nur betrunkene Australier auf dem Weg ins Hofbräuhaus übereinander (allerdings schon oft). Die Archäologen unter den Barflys müssen auf jeden Fall zu Schumann’s, schon weil da alle hingehen. Die Drinks im Tobacco sind mindestens genauso gut, und so plüschig, rot und schummrig wie die Bar im Hotel Lux ist, sieht man auch über die etwas heftige Grundsüße der Cocktails hinweg. Deutlich weniger förmlich drängt es sich in der Favorit-Bar im Hackenviertel, am Wochenende ist es aber arg voll in dem kleinen Ladenlokal. Die jüngeren Semester machen dann noch ein paar Schritte zur „Feierbanane“ (vulgo: Sonnenstraße) mit ihren mehr als 30 Clubs, auch wenn da in den letzten Jahren ein paar Abgänge zu verzeichnen waren (RIP Harry und Excess). Für Electro aus der Spitzenklasse fährt man besser auf die entgegengesetzte Seite der Altstadt in den BLITZ-Club auf der Museumsinsel.

Anderswo

Getanzt und gefeiert wird natürlich auch weiterhin in Schwabing, aber das Risiko, in einem der doch sehr austauschbaren Läden an der Ludwigstraße oder in Altschwabing neben einem zu später Stunde leicht komatösen Junggesellenabschied zu landen, ist doch verhältnismäßig groß. Dann doch lieber auf die Schwanthalerhöhe (da ist die Wohnbevölkerung noch weitgehend unter sich) und im Kilombo noch ein paar schnelle Ayinger herunterstürzen oder sich mutig in die serbisch, griechisch und bosnisch dominierten Boazn des bunten Viertels wagen.

Tanzen mit den Reichen und Schönen

Das haben wir uns verdient mit der ewigen Angeberei – den Ruf als Schickimicki-Hauptstadt hat München weg, und wenn also unbedingt zu mäßiger Musik neben ephemeren Helden aus TV und Bundesliga am zu teuren Drink genippt werden muss, dann stellt man sich in die lange Schlange vor dem ergrauten P1 oder der derzeit härtesten Tür der Stadt, dem Heart.

Zurück