Unterwegs mit Johannes Kral

Über Umwege hatte es mich im Herbst 2011 nach Mainz verschlagen. Dass die Karnevalshochburg am Rhein mir als fränkischem Faschingsmuffel ge­wisse Schwierigkeiten bereiten wür­de, war mir damals nicht bewusst. In mei­ner alten Heimat hatte ich mich dem Trara ganz gut entziehen können. Da­mit war es in Mainz ab Januar aber vor­bei: Beim Bäcker­besuch musste ich mit weiß gekleideten Prinzen und ihrer Eskorte aus hochrangigen Ran­zen­gar­disten um die letzte Quark­ta­sche streiten. Drau­ßen auf der Straße beo­bachtete ich dann zwei Herren im blau­licht­ge­schmück­ten Kar­ne­vals­wa­gen, die einem jugend­lichen Golf-Fahrer die Über­prü­fung seines Rest­al­ko­hols er­mög­lichten. „Restalgehol an Kar­ne­val!? Gibt’s bei uns nit. Mir dringe brav ach die Reste!“, ent­gegnete der Meenzer Bub und deu­tete als Beweis auf die zwei Dutzend Bier­dosen auf der Rück­bank, denen auch die letzten Tro­pfen Gerstensaft in der Nacht zuvor fach­männ­isch ent­zo­gen worden wa­ren.

Als ich schließlich am Rosenmontag beim Versuch, dem närrischen Spuk zu ent­fliehen, feststellte, dass der Bahnhof von betrunkenen Gießkannen und voll­schlanken Ballerinas mit behaarten Beinen belagert wurde, wusste ich: Ich würde mich dem alljährlichen Spek­takel nicht entziehen können. Zum Glück ist die effektivste Über­lebens­strategie in der närrischen Zeit absolut sim­pel: Pappnase oder Hütchen auf und einfach mitfeiern – Helau Mainz!

Über den Autor

Nach seinem Studium der Kultur­geo­graphie und Politik­wissen­schaft in Erlangen zog es Johannes Kral (Jahr­gang 1985) Ende 2011 ins schö­ne Mainz. Während seiner Aus­bildung am Journalistischen Semi­nar der Gutenberg-Universi­tät ent­stand mit dem vorlie­gen­den City-Guide sein erstes Reise­buch. Dane­ben war Johannes u. a. als Autor und Reporter für die Frankfurter Rund­schau und den Bayerischen Rund­funk aktiv. Seit 2015 lebt Johan­nes in Berlin und berät auf­stre­bende Start-ups in den Berei­chen Con­tent Marketing und Public Rela­tions. Regelmäßig kehrt er nach Mainz zurück, um Neues zu ent­decken und Altes wieder­zu­finden.

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