Essen gehen

Typisch brandenburgisch

In und um Potsdam gilt: April bis Juni ist Spargelzeit. Mai und Juni Erd­beer­zeit. Juli bis September Heidelbeerzeit. Sep­tember und Oktober Kürbiszeit. November und Dezember Gänsezeit. Wer diese Zeiten kennt, kann schon fast erraten, was auf den Speisekarten auftaucht. Ganzjährig ist zudem Kartoffelzeit. Auf die Kartoffel als Bei­lage – die brandenburgischen Köche sind Bratkartoffelweltmeister – ver­zich­tet man bei kaum einem Gericht, egal ob beim Schnitzel, beim Havel­zander oder beim grünen Aal in Dill­soße. Auf der Karte steht zuweilen auch Wildschwein aus dem nahen Flä­ming oder Kaninchen – in Beelitz gibt es einen Kaninchen­spezialitä­ten­be­trieb. Aus Beelitz kommt auch der Spargel, der mit Sauce hollan­daise und Rührei während der Saison in fast jedem Lokal zu haben ist (mehr zum Spargel hier). Eine weitere Spe­zialität der Region sind die schmack­haf­ten Teltower Rübchen. Schon Goe­the und Kant verehrten sie.

Kennen Sie Sanddorn, die Zitrone des Nordens? Den säuerlichen, orange­far­be­nen Beeren mit hohem Vitamin-C-Gehalt gefällt es in Brandenburg au­ßer­ordentlich gut. Viele Regionalläden hal­ten Sanddornprodukte bereit. Und im Sanddorn-Garten Petzow kann man z. B. Sanddorn-Senf­schaum­suppe kosten.

Potsdam is(s)t anders

„Nimm dir Essen mit, wir fahr’n nach Brandenburg!“, singt Rainald Grebe. Nee, müssen Sie nicht, entgegnen wir. So manche Ecken des Bundeslands mö­gen infrastrukturell schlecht aufgestellt sein. Potsdam und seine Umgebung je­doch sind von gastronomischen Wüs­ten weit entfernt. Was in Potsdam ser­viert wird, ist auch nicht immer charak­teristisch für die Region. Gut­bür­ger­liche (und schlecht­bür­ger­liche) Küche gibt es zwar, ge­nauso aber asiatische Res­tau­rants, ve­gane Cafés (www.potsdamvegan.de), Tapas-Lo­ka­le, Edel­ita­liener und -fran­zo­sen und selbst zwei Ster­ne­lokale. Zu be­mäkeln ist nur das Preis-Leis­tungs-Verhältnis, das lei­der nicht immer das beste ist. Dafür kann man in her­vor­ra­gen­den Kantinen und Tages­cafés moderne Regio­nal­küche fürs kleine Geld bekommen. Und nicht vergessen: Am schönsten sitzt man in den herrlich gelegenen Aus­flugs­gast­stätten des Umlandes.

Auf die Schnelle

Fischbrötchen! Man bekommt sie z. B. in Caputh, in Werder und im Sommer im lauschigen Fischerhof von Mario Weber, dem letzten haupt­beruf­lichen Fischer Potsdams. Herrn Webers selbst geräucherter Saibling ist zum Sterben gut!

Soljanka, der aus Russland ein­ge­wan­derte DDR-Restesuppenklassiker, fehlt auf kaum einer Kneipenkarte. Der eine oder andere Koch rührt Werder-Ket­chup mit hinein. Seit 1958 wird in Wer­der nämlich Ketchup produziert, aller­dings schon längst nicht mehr aus hie­si­gen Tomaten. Schmeckt super­fruchtig!

Ragout fin („Ragu feng“ gesprochen) ist ein Überbleibsel der Hugenotten und ebenfalls kaum wegzudenken von den Speisekarten. Für Wessis: Huhn-, Kalbs- oder Schweinefleisch wird mit Weißwein und Worcestersoße ein­ge­kocht und dann in kleinen Förmchen mit Käse überbacken.

Potsdamer Stange & Co

Für Bierfreunde führt kein Weg an der Braumanufaktur Forsthaus Templin vorbei, wo alte regionale Bier­sorten in Bioqualität gebraut wer­den. Dazu gehört die Potsdamer Stange, ein unfiltriertes, untergäriges Vollbier, das in hohen, schmalen Gläsern, den „Stangen“, ausgeschenkt wird. Au­ßer­dem wurde das bernsteinfarbene, malz­betonte Werdersche Bier, das schon Fontane besungen hat, wiederbelebt.

Die Braumanufaktur ist nicht die ein­zige Brauerei in und um Potsdam. Hausgebrautes Bier gibt es auch in der herrlich gelegenen Meierei im Neuen Garten, im Brauhaus des Kronguts Bornstedt und im Restaurant Zum Rittmeister nahe Werder. In vielen einfachen Kneipen wird hingegen Potsdamer Rex ausgeschenkt, dahinter steckt die Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei.

Potsdamer Trauben

Wussten Sie, dass in und um Potsdam auch Wein angebaut und gekeltert wird? Die Weinberge Potsdams sind der Winzerberg, der Königliche Weinberg im Park Sanssouci und der hauseigene Weinberg der Villa Jacobs am Jungfernsee. Auch in Werder – v. a. berühmt für seine Obstweine – versucht man sich wie­der mehr und mehr im klassischen Weinanbau.

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