Unterwegs mit Sabine Becht

Liebe Leserin, lieber Leser! Die meis­ten Schuhe, die ich besitze, habe ich in Rom ge­kauft. Nicht aus Eitel­keit oder weil es sich in Rom so super ein­kau­fen lässt (und zwei­fels­ohne, es lässt sich her­vor­ragend shop­pen in der Ewigen Stadt), son­dern aus pu­rem Schmerz. Ein be­rufs­be­dingter Schmerz, der sich nach spä­tes­t­ens zwei Tagen​ ständigen He­rum­lau­fens auf rö­mi­schem Kopf­stein­pflaster ein­stellt. Ich habe Es­pad­ril­les mit robuster Sohle und Bal­lerinas, hippe Sneaker und Ba­de­schlap­pen, Stie­fe­letten und sogar Stie­fel, al­le aus Rom, alle gekauft in der Hoff­nung, am nächs­ten Abend viel­leicht we­ni­ger zu lei­den. Römern wie Touristen schaue ich immer zuerst auf die Füße. Und nicht sel­ten wird bei Letz­teren der Schmerz eben­falls sichtbar – Schwel­lun­gen und Blasen, dazu die er­schöpf­ten Ge­sichter.

Auf Römerinnen dagegen, die mit un­glaub­licher Eleganz auf meterhohen Sti­let­tos über die krummen, löchrigen San­pietrini schreiten, trifft das nicht zu (dass sie das nur die wenigen Meter vom Taxi zum Res­taurant und am Arm ei­nes wahn­sin­nig coolen Rö­mers tun – ge­schenkt). Oder auf die vielen Mi­niste­riums-Damen der In­nenstadt, die wür­de­voll in ihren Pumps zur nächsten Bar stöckeln, ohne dabei je eine Miene zu verziehen.

Die Römerinnen haben Recht! Einen Ort, der mythologisch nachweisbar min­des­tens 2772 Jahre alt ist, sollte man er­schrei­ten, besser noch „er­schlen­dern“, am besten mit viel Zeit und viel­leicht lie­ber in flachen Schu­hen. Denn um die­se wun­der­volle Stadt gebührend ge­nie­ßen zu kön­nen, sollten Ihnen auf gar keinen Fall die Füße weh­tun. Letz­tens habe ich üb­ri­gens wie­der zu­ge­schla­gen: Es wur­den ein paar saumäßig be­queme Rö­mer­san­da­len.

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