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Spanischer Jakobsweg
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Spanischer Jakobsweg

SO HABEN SIE Spanischer Jakobsweg NOCH NIE GESEHEN

Faszination Jakobsweg

► Was fasziniert so viele Menschen, was fasziniert Sie am Spanischen Jakobsweg? Ist es die Sehnsucht nach Einfachheit oder das Streben nach mehr Spiritualität? Sind es Bestseller wie die von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ oder Paolo Coelho „Auf dem Jakobsweg“? Ist es der über 1000-jährige christliche Pilgergedanke, das Grab des Heiligen Jakobus des Älteren aufzusuchen, oder einfach nur Neugier? Ist es der Wunsch, einmal die gesamte Iberische Halbinsel zu Fuß zu durchqueren und dabei dem ursprünglichen Nordspanien, seinen Landschaften und seinen Menschen sehr nahe zu kommen? Oder ist es das Interesse an Kunstgeschichte und Kultur? Reizt Sie die körperliche und sportliche Herausforderung – oder ist es doch eher ein geistig-seelischer Antrieb, der Sie auf den Weg bringt?Beweggründe, den Camino Francés oder Camino de Santiago, wie der Jakobsweg im Spanischen genannt wird, zu gehen, gibt es so viele wie Wanderer und Pilger auf diesem Weg. Was auch immer Ihr ureigener „Beweg“-Grund sein mag, sich auf diese spezielle Reise zu begeben, – wenn Sie es wollen, wenn Sie es wirklich wollen, tun Sie es!Warum heißt der Spanische Jakobsweg Camino Francés, also Französischer Weg? Weil die meisten Pilger aus Mitteleuropa, also von Nordosten, kamen und damit zwangsläufig über Frankreich nach Spanien gelangten. Letztendlich gibt es jedoch so viele Jakobswege, wie es Wege aus den unterschiedlichsten Regionen und Orten Europas (und der Welt) in Richtung Santiago de Compostela gibt.In diesem Buch ist der Spanische Jakobsweg bereits ab dem französischen St.-Jean-Pied-de-Port beschrieben. Viele Wanderer und Pilger wählen diesen Ort als Ausgangspunkt; er ist leichter erreichbar als Roncesvalles in Spanien, und es folgt eine zwar sehr schwere, aber wunderschöne Pyrenäenetappe. Da der Pilgerweg auf spanischem Gebiet zunächst durch die Autonome Region Navarra führt, wird dieses erste Wegstück manchmal auch Navarrischer Weg genannt. Bei Puente la Reina, genau genommen im Ort davor, in Obanos, vereinigen sich schließlich alle Wege aus Richtung Frankreich zum eigentlichen Camino Francés, der in Santiago de Compostela endet.Viele Wanderer und Pilger gehen von Santiago aus noch ca. 90 km weiter westwärts bis nach Finisterre (lat.: finis terrae; das Ende der Welt). Dort am Atlantik endete nach mittelalterlichem Verständnis, also vor der Wiederentdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus Ende des 15. Jh., die damals bekannte Welt. Und so begleitet Sie dieser Wanderführer ab Santiago de Compostela auf vier zusätzlichen Etappen bis zum großen Ozean.Das Wandern auf dem Jakobsweg ist zwar sehr anstrengend, aber prinzipiell einfach: Fast nirgendwo ist Trittsicherheit oder gar Schwindelfreiheit gefordert. Dennoch sollten Sie sich keiner Illusion hingeben, was es bedeutet, auf dem Jakobsweg unterwegs zu sein! Sie gehen schließlich fast jeden Tag 20 bis 25 km, manchmal sogar über 30 km, mit Ihrem ganzen Gepäck insgesamt 762 km bis nach Santiago de Compostela; wer bis nach Finisterre wandert, sogar 850 km! Insgesamt bewältigen Sie 11.900 Höhenmeter hinauf und wieder hinab (bis Finisterre gut 13.500), falls Sie den Weg nicht unterteilen. Im Durchschnitt sind Sie, ohne notwendige Pausen gerechnet, 5:15 Std. täglich unterwegs. Sie sind Hitze, Kälte, Wind und Regen ausgesetzt. Die Beine werden schmerzen, die Gelenke, die Muskulatur; und wenn Sie Pech haben, plagen Sie Blasen an den Füßen. Im Sommer ist es zu heiß, und sehr viele Mitwanderer und -pilger sind unterwegs. Damit nicht genug: Auf den letzten 100 km vor Santiago und in Spitzenzeiten kann es zu Engpässen bei den privaten Unterkünften und in den Pilgerherbergen kommen.Und doch: Der Jakobsweg ist und bleibt ein faszinierender Weg, ein Weg der Begegnung. Der Begegnung zwischen Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeder Weltanschauung. Ich habe heute noch Kontakte zu Pilgern aus Brasilien, Japan und Kanada. Mir sind gläubige und weniger gläubige Christen ebenso begegnet wie Juden, Buddhisten, Esoteriker, Zweifler und Atheisten. Aber nicht zuletzt kann man auch einem ganz besonderen Menschen begegnen: sich selbst. So, und nun viel Spaß bei der Vorbereitung. Sie werden gleich sehen, dass die Faszination des Pilgerns bereits vor dem ersten Schritt beginnt!Buen Camino!*(* alter Pilgergruß: „Einen guten Weg!“) ► Im Jahr 711 überfielen die Mauren, also Muslime, Spanien. Innerhalb weniger Jahre hatten sie die ganze, bis dato christliche Iberische Halbinsel erobert. Die ganze? Nein, eine unwegsame Region in Nordspanien, Asturien, das damals von Galicien bis León und Kantabrien reichte, blieb weitgehend außerhalb des maurischen Einflussbereichs. Dringend musste etwas geschehen! Die Königreiche im noch christlichen Nordspanien sollten geeint, die Aufmerksamkeit des restlichen Europa auf die Vorgänge in Spanien gelenkt werden. Die Lösung: ein Heiliger. Man brauchte einen Heiligen! Und nicht nur irgendeinen, sondern einen bedeutenden, möglichst aus dem direkten Umfeld Jesu Christi! Und Jakobus der Ältere war neben Johannes und Petrus zweifellos einer der wichtigsten Jünger Jesu. Die sensationelle Nachricht vom Grabfund eines so bedeutenden Heiligen erzeugte im Mittelalter unverzüglich Ansehen, Aufmerksamkeit, Macht, ja sorgte mit den seinetwegen unternommenen Wallfahrten für erheblichen Geldzufluss.Die Geschichte des Jakobswegs ist zu komplex, um sie hier umfassend darzustellen (und wurde bis ins 12. Jh. mehrfach umgeschrieben), aber man darf getrost annehmen, dass sowohl politische als auch kirchenpolitische Interessen keine allzu geringe Rolle gespielt haben dürften, als Anfang des 9. Jh. plötzlich das Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago entdeckt wurde.Wie aber soll sich der Grabfund angeblich zugetragen haben? Der Legende nach soll ein Einsiedler namens Pelayo (Pelagius) im Jahr 813 das bis dahin verschollene Grab von Jakobus dem Älteren, auf Spanisch Sant’ Iago, wiedergefunden haben. Engel hätten ihn auf das „campus stellae“ (das Sternenfeld; daher der Zusatz „de Compostela“) des im nordwestlichen Spanien gelegenen Galicien aufmerksam gemacht. Der Eremit meldete seinen Fund dem damaligen Bischof Theodemirus aus dem benachbarten Iria Flavia (das heutige Padrón). König Alfons II. von Asturien, genannt der Keusche, ließ in der Zeit seiner Regentschaft (791–842) an der Grabfundstelle eine erste Kirche erbauen.Jakobus der Ältere, um den sich der gesamte Jakobsweg-Mythos rankt, war ein Dreivierteljahrtausend zuvor, um 44 n. Chr., von Herodes Agrippa I. im weit entfernten Jerusalem enthauptet worden (Apostelgeschichte 12, 1–2). Wie und wieso sollte also der Leichnam ausgerechnet nach Spanien gekommen sein? Anhänger des Apostels hätten ihn – so die Legende – von Jerusalem nach Jaffa gebracht; von dort sei er, durch die Hand Gottes geleitet, auf einem Schiff zu den Gestaden Galiciens gelangt (die sogenannte Translation) und von seinen Jüngern beerdigt worden. In anderen Überlieferungen wird behauptet, Jakobus der Ältere habe zuvor in Spanien missionarisch gewirkt. Dies ist jedoch historisch nicht belegt.Wie auch immer, der angebliche Fund der Reliquien löste die erwartete Pilgerwanderung aus. Und mehr noch: Der Heilige Jakobus, Santiago, galt bald als Schutzheiliger ganz Spaniens, auch weil er höchstpersönlich dem Anführer christlicher Truppen im Kampf gegen die Mauren in der Schlacht von Clavijo (vermutlich im Jahr 844 bei Logroño) erschienen sein soll. Deshalb wurde der Heilige später in der Kunst häufig als Matamoros, als Maurentöter, hoch zu Ross dargestellt (→ „Santiago als Matamoros“, S. 99).Die Reconquista, die Rückeroberung Spaniens von den Mauren, war nun eingeläutet. Santiago de Compostela wurde neben Jerusalem und Rom einer der wichtigsten christlichen Wallfahrtsorte des Mittelalters und ist dies auch wieder geworden – trotz zeitweiligen Rückgangs der Pilgerzahlen während der Reformation, der Konfessionskriege und der Säkularisierung infolge der Französischen Revolution. Seit Ende des 20. Jh. erlebt Santiago sogar wieder einen regelrechten Pilgerboom.Im Jahr 1987 erklärte der Europarat die Wege der Jakobspilger zur ersten „Europäischen Kulturstraße“ mit der Begründung: Vom Mittelalter bis in die Neuzeit seien Pilger aus allen europäischen Nationen nach Santiago gepilgert und hätten mit ihren Wegen ein quasi identitätsbildendes Netz über ganz Europa gezogen, somit zur Einheit des europäischen Bewusstseins beigetragen. Eine weitere Würdigung erfuhr der Spanischen Jakobsweg 1993 durch die von der UNESCO beschlossene Erhebung zum Weltkulturerbe.Ein nicht abreißender Pilgerstrom hin zur Kathedrale von Santiago de Compostela zeugt auch weiterhin von der großen Anziehungskraft dieses bedeutenden europäischen Kulturwegs, der gleichzeitig ein beeindruckender Fernwanderweg ist. ■ Mehr lesen...