Orientiert in Tallinn

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Wenn Sie keine Ahnung haben, wo Tallinn liegt, sind sie damit nicht allein. Die wenigsten wissen, dass die estnische Hauptstadt im Nordosten des europäischen Festlands liegt und nur durch 60 Kilometer Ostsee von Helsinki getrennt wird. Auch Russland ist nicht weit: Mit dem Auto sind es nur fünf Stunden bis nach St. Petersburg.

Jahrhundertelang kämpften die Großmächte des Nordens um die Stadt, wobei lange Russland die Oberhand behielt. Heute spricht noch fast die Hälfte der Stadtbewohner Russisch und die Schilder auf öffentlichen Plätzen gibt es auch in kyrillischer Schrift.

Seit der Unabhängigkeit von 1991 hat sich Tallinn neu erfunden. Es ist heute ein ganz eigener Mix aus baltisch, skandinavisch, modern und uralt.

Die Stadt mit den 430.000 Besuchern besteht aus acht Stadtteilen, die sich am Meer entlang und landeinwärts um den großen Ülemiste-See gruppieren. Diese wiederum gliedern sich in 84 Bezirke (asumid). Neben den zentralen Stadtteilen gibt es in Tallinn viele ruhige Wohnviertel in den Waldgebieten am Stadtrand und am Wasser.

Das Herz der Stadt

Insgesamt zählen 21 Bezirke zur Tallinner Innenstadt (Kesklinn), in denen rund 50.000 Einwohner leben. Die Fläche erstreckt sich über 30 km², wovon 9 km² allein der Ülemiste-See einnimmt.

Im 11. Jahrhundert wurde auf dem Domberg der Grundstein Tallinns gelegt. Noch heute ist der Toompea Zentrum der Stadt. Er war und ist Regierungssitz. Unterhalb dieser sogenannten Oberstadt wuchs im Mittelalter eine lebendige Unterstadt heran, die aus verschlungenen Gassen, Kaufmannshäusern, Kirchen und Plätzen besteht. Die All-linn war eine eigene Stadt und bis ins 19. Jahrhundert von der Oberstadt getrennt. Noch heute umgibt sie die mittelalterliche Stadtmauer mit 26 Türmen. Toompea und All-linn bilden gemeinsam Vanalinn, die Altstadt. Hier finden sich die meisten bekannten Sehenswürdigkeiten: das Rathaus, der Wehrturm Kiek-in-de-Kök, das Schloss Toompea u. v. m.

Südlich an die Altstadt grenzt Südalinn rund um den Verkehrsknotenpunkt Viru. Direkt daneben glänzen die Hochhäuser des Bezirks Maakri sowie das neue Rotermann-Viertel, wo einem ehemaligen Industriegelände neues Leben eingehaucht wurde. Ein Stück weiter nördlich liegt das Hafenviertel Sadama mit dem Passagierhafen sowie im Osten das grüne Park- und Schlossviertel Kadriorg.

Im Umkreis der Altstadt

Neben der Altstadt ist Põhja-Tallinn im Norden das älteste Viertel der Stadt. Es liegt an der Tallinner Bucht, war ursprünglich der Stadtteil der Fischer und ist durch historische Holzhäuser und Parks gekennzeichnet. Der dazugehörige Distrikt Kalamaja ist mit seinen vielen jungen Künstlern heute der angesagteste der Stadt; Kopli ein Stück weiter westlich hat noch mit Armut zu kämpfen, ist aber nicht weniger interessant.

Südwestlich vom Zentrum liegt der Stadtteil Kristiine. Er besteht aus Einfamilienhäusern und vier historischen Parks: Charlottental, Cederhilm, Dunten und Löwenruh. Insgesamt leben hier 30.000 Menschen.

Am Rande Tallinns

Pirita, der Ferienort der Stadt, erstreckt sich mit weißen Sandstränden und Kiefernwäldern entlang der Ostseepromenade im Nordosten und beherbergt einen Jachthafen und viele teure Villen.

Den westlichen Rand Tallinns markiert Haabersti. Der langgezogene Stadtteil wird von Ostseestränden auf der einen Seite und dem Harku-See auf der anderen Seite begrenzt. Hier liegen ein großes Freilichtmuseum, der Tallinner Zoo sowie der Ferienort Rocca al Mare.

Südwestlich davon liegt Nõmme. Im 19. und 20. Jahrhundert entstand der Ort mit den Holzvillen rund um das Schloss des exzentrischen Adligen Nikolai von Glehn. Noch heute fährt man gerne nach Nõmme, um die Ruhe und die Natur zu genießen.

Sowjetisches Erbe

In der Zeit der sowjetischen Besetzung entstanden große Plattenbausiedlungen in Tallinn. Diese sind heute die beiden bevölkerungsreichsten Teile der Stadt. Lasnamäe, die Trabantenstadt im Nordosten, ist das Zentrum des russischen Lebens in Estland: Über 70 Prozent der Bewohner sind nach vorsichtigen Schätzungen russischstämmig.

Mustamäe im Südwesten beherbergt ca. 66.000 Einwohner – auf 8 km². Im kleinsten Stadtteil haben heute nicht nur die Technische Universität und das Deutsche Gymnasium ihren Sitz, sondern auch das international erfolgreiche Internet-Telefonie-Unternehmen Skype.

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