Stadt und Stadtviertel

Hauptstadt Polens

Warschau ist nicht nur Hauptstadt, sondern auch unumstrittenes Zentrum Polens. Was bedeutet dies? Warschau ist die flächenmäßig größte Stadt Polens, sie ist am bevölkerungsreichsten und am wirtschaftsstärksten. Aber auch die Stadt, die am staugefährdetsten ist, ganz zu schweigen davon, wie widersprüchlich und schnell sie ist.

Keine Frage: Warschau ist eine Stadt der Kontraste, der harten Schnitte und spannenden Widersprüche. Zwischen der Tragik der Geschichte und einer vielversprechenden Zukunft bewegt sich eine Metropole, die nie stillzustehen scheint. Also keine Stadt, in der man sich schnell zurechtfindet? So schwer ist es nicht ...

Mittendurch die Weichsel

Ziemlich genau teilt die Weichsel die Stadt in zwei Hälften – doch zwei ungleiche: im Westen das reiche Zentrum, im Osten das lange Zeit verrufene Armenhaus. Auch am jeweiligen Ufer wird es sichtbar: Während man am Westufer auf der neuen Promenade flaniert, ist das Ostufer unbegradigt und unverbaut mit teils naturbelassener Wildnis und Stränden.

Elf der zwölf Touren in diesem Buch führen durch den westlichen Teil der Stadt. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass Sie sich einen Besuch in Praga (Tour 10) auf der rechten Weichselseite schenken sollten. Zu entdecken gibt es dort ein (noch) nicht durchgentrifiziertes und damit totsaniertes Warschau.

Touristisches Rückgrat

Das touristische Rückgrat verläuft westlich der Weichsel. Von Nord nach Süd zählen dazu die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Stadtteile Neu- und Altstadt (Touren 1 und 2), die zusammen das historische Zentrum mit klassischen Postkartenmotiven darstellen, der parallel zur Weichsel verlaufende sog. Königstrakt (Tour 3), die Prachtstraße Warschaus schlechthin, die sich aus mehreren Straßen zusammensetzt und vorbei an Palästen, luxuriösen Boutiquen, feinen Cocktailbars und exklusiven Restaurants führt, weiter südlich der Park der Königlichen Bäder (Tour 9), eine der schönsten Parkanlagen Europas und abgeschlagen am südlichen Stadtrand das Schloss in Wilanów (Tour 12), das oft als polnisches Versailles bezeichnet wird. Ebenfalls von klassischen Schönheitsidealen geprägt ist das Gebiet rund um den Sächsischen Garten (Tour 5) mit Theater und Oper. Das sieht im Zentrum (Tour 6) ganz anders aus. Hier dominieren Kontraste: Der Kulturpalast als sozialistisches Bombastbauwerk thront zwischen modernen Wolkenkratzern und vereinzelten Altbauten.

Und sonst noch?

Näher zum Fluss hin, also östlich der Prachtstraße namens Königstrakt, liegen das romantische Mariensztat und der boomende Stadtteil Powiśle (Tour 4). Während Mariensztat an ein Dorf des 18. Jh. erinnert, siedelten sich im ehemaligen Armenhaus Powiśle Teile der Universität wie die Bibliothek an. Westlich des Königstrakts führt unser langer Spaziergang durch das ehemalige Ghetto (Tour 7), Höhepunkte südlich des Zentrums sind die massiven Bauten im Stil des Sozialistischen Realismus rund um die Achse der ul. Marszałkowska und den pl. Konstytucji sowie pl. Zbawiciela (Tour 8). Dagegen präsentiert sich mit dem nördlich der Neustadt gelegenen Stadtteil Żoliborz (Tour 11) ein eher ruhiges Warschau. An Architektur Interessierten seien in dem Viertel die modernistischen Wohnblöcke und Einfamilienhäuser der 1920er-Jahre ans Herz gelegt – „Bauhaus” auf Polnisch.

Faszinierendes Kaleidoskop

Vielleicht möchten Sie sich aber lieber durchs chaotisch pulsierende Warschau treiben lassen? Gelegenheit dazu bietet sich schon bei der Ankunft. Kaum ist man dem labyrinthartigen Untergrund des Zentralbahnhofs entkommen und ans Tageslicht gelangt, präsentiert sich die Stadt wie in einem schrillen Kaleidoskop: Der Kulturpalast aus der Stalinzeit – dem die Warschauer mit Hassliebe begegnen – erschlägt mit seinem Bombast, fast schwindlig machende gigantische Plakatwände, vorbeihetzende Menschen, himmelstürmende Wolkenkratzer, zwischendrin ein restaurierter Jugendstilpalast oder ein fahlgraues Überbleibsel aus sozialistischer Zeit. In Sekunden steckt man drin in dieser Stadt, die zwar nicht immer schön, dafür umso faszinierender ist.

Das Motto der Tourismuswerber lautet schlicht: „Verliebe dich in Warschau“. Und das tun Jahr für Jahr immer mehr Besucher.

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